Themenreihe "Durchgehende Wohnkonzepte"

Schachmatt und Sieg für schwarz-weiß

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich einzurichten. Eine Variante ist ein Stil- oder Farbkonzept zu haben, welches sich konsequent durch die gesamte Wohnung durchzieht. Damit es nicht zu streng oder eintönig (im wahrsten Sinne des Wortes) wird, gibt es ein paar kleine, aber entscheidende Tricks.

Im schwarz-weiß Konzept kann man z.B. das Weiß in Abtönungen, wie Altweiß, Creme oder helles Beige, abwandeln. Das Schwarz in dunkle Braun-, Blau- und Grautöne. Des Weiteren bringt das Spielen mit verschiedenen Mustern und Stoffen Abwechslung und Spannung in das Ambiente ein. Um die Vielfalt der Möglichkeiten trotz eingeschränkter Farbauswahl zu zeigen, habe ich zwei Einrichtungsstile ausgewählt und gegenüber gestellt. Den eher klassischen Stil und eine moderne Variante. Jedoch ist die Umsetzung dieses Wohnkonzeptes noch in vielen anderen Varianten möglich, wenn man erstmal einige Kniffe kennt, kann man sie in den eigenen Stil ganz individuell einfließen lassen.

Das Entree eines Hauses, wo alles beginnt, befindet sich vor dem Haus – der Eingang. Obwohl beide hier dargestellten Türen Kassettentüren in schwarz sind, ist die Optik verschieden. Das kommt durch das Drumherum, welches hier den entscheidenden Unterschied ausmacht.

    

Die Bodenplatten in Schachbrettoptik sind schräg der Laufrichtung auf die Tür zu verlegt. Das Format der Platten ist im Standardmaß (ca. 30 x 30 cm) gewählt. Das Oberfenster hat eine fächerförmige Unterteilung und ist mit einem warmen Goldton unterlegt, der den harten schwarz-weiß Kontrast unterbricht. Ebenso lockern der goldene Löwenkopf als Türklopfer und die Pflanzen optisch alles auf. Der Fassadenstein greift die Bogenform des Oberfensters auf und geht dann erst in die horizontale Strukturierung der Aussenfassade über. Ein typisches Merkmal historischer Gebäude und somit „klassisch“.



Im Gegensatz zu der klassischen Variante kommt dieser Eingang wesentlich strenger und geradliniger daher. Durch die Glaseinsätze schimmert ein kühler Blauton durch, es gibt keine Pflanzen und die Fassade ist klar horizontal strukturiert. Als Kontrast wird durch den linienhaften Zaun, welcher wie aufgereihte Speere anmutet, die Senkrechte eingebracht. Das überhöhte Haustürelement unterstützt dies zusätzlich. Einzig die kleinformatige Bodengestaltung lockert die Strenge auf. Hier werden zwar klassische Elemente verwendet, wie z.B. die Laternen nebst der Tür, jedoch in schlichterer Ausführung und dadurch wird es modern.


Der wohl wichtigste Raum, die Versammlungsstätte der Familie, der Entspannung und der Gemütlichkeit mit Gästen, ist das Wohnzimmer. Ob opulent groß oder bescheiden klein, spielt hierbei keine Rolle.



Dieses kleine aber feine Wohnzimmer hält sich an den ja eigentlich eher kalten schwarz-weiß Look und ist dennoch einladend gemütlich. Denn das Einzige was hier wirklich Reinweiß ist, ist das Sofa und der Kamin. Die Wand ist in einem hellen, warmen Grauton und der Teppich in einem Cremeton gehalten und somit ist es nicht mehr dieser harte Kontrast, sondern ein weicher. Sehr auffällig ist hier der Mustermix, der Abwechslung reinbringt. Jedes Muster ist anders, vom Floralen der Kissen bis zum Graphischen des Hockers, und doch harmoniert alles miteinander. Eindeutiger Blickfang ist jedoch der Hocker, dessen runde Form vom ovalen Sofa aufgenommen wird. Auch die kleine Tischkombination hat leicht geschwungene Beine. Somit wirkt alles sehr gefällig und macht den eher kleinen Raum kuschelig-gemütlich und fast schon intim.



Im Gegensatz dazu bietet dieser großzügige Wohnraum eine eher repräsentiere Atmosphäre. Hier kommt sowohl die Sofaform, als auch Tisch und Hocker, gradliniger und großformatiger daher. Auch gibt es hier keine kleinteiligen, auffälligen Muster, was dem Ganzen optische Ruhe und Understatement  verleiht. Ein so großer Raum kann das gut vertragen. Kleinteilige Muster auf derart großen Flächen könnten schnell „überladen“ wirken. Auch hier ist das Weiß abgetönt in Cremetöne und das Sofagestell ersetzt das Schwarz durch tief dunkles Braun. Der Kontrast entsteht hier allerdings vor allem durch den Materialmix von weichem Lammfell zu dem harten Hochglanzlack des Tisches. Einzig die übergroße quadratisch-unterteilte Fensterfront und der Teppich, mit seinen frei verlaufenden Linien, bringen ein Muster in den Raum ein. Alles andere ist unifarben und gibt diesem Raum eine unaufdringliche Eleganz.


Die Küche, ist der Raum der Geselligkeit und des Essens und Trinkens. Trotz, dass man die ganze Wohnung zur Verfügung hat und die bequemen Sitzmöbel meist im Wohnzimmer stehen, enden die meisten Parties genau hier.



Beim ersten Anblick dieser Küche denkt man: “eindeutig schwarz-weiß“. Beim zweiten Blick sieht man, dass die Wand dunkelgrau ist, passend dazu die Sitzkissen. Dieser dominanten Wandfarbe, die dem Raum Kraft gibt, und zusätzlich durch die strengen Blockstreifen der Raffrollos unterstützt wird, wurde zartes Thonetgeflecht (Stuhllehnen und Schrankseite) und ein romantischer Kronleuchter entgegengesetzt. Auch die diagonal verlegten Bodenfliesen mit den kleinen grauen Einsätzen lockern die Gesamtatmosphäre auf.



Hier bestechen großflächige dominante Muster an Wand und Theke. Ganz klar ist hier der optische Mittelpunkt die freistehende Küchenzeile mit ihrer Holzmaserung anmutenden Verkleidung und das Wandelement aus Marmor, eingefaßt in einen schwarzen Rahmen. Die eigentlichen Küchenmöbel treten völlig in den Hintergrund und sind deshalb auch in einer glatten, schlichten Oberfläche gehalten. Geradlinige Formen und großformatige Objekte geben dieser Küche ihren modernen, klaren Look.

 

Häufig der Lieblingsort der Frauen, ist das Bad nicht nur der Ort der Reinigung, sondern auch der Entspannung. Ein heißes Schaumbad nach einem anstrengenden Tag ist eine Wohltat. Ich mußte allerdings neulich feststellen, dass heutzutage eine Badewanne wohl nicht mehr Standard in einer Neubauwohnung ist, was ich dringend überdenkenswert finde.



Wenn man diese Wanne sieht, weiß man auch warum. Hier sind klassische Elemente und Formen enthalten, die diesem Raum trotz seiner Moderne ein nostalgisches Aussehen verleihen. In einem Bad sind viele einzelne Objekte enthalten, wie Wanne, Toilette, Waschtisch, die eine optische Einheit erschweren. Harmonie entsteht hier durch die symmetrisch aufgestellten Lampen und das darüber aufgehängte Hirschgeweih. Dadurch wird die Wanne mit der Wand optisch zusammengeführt und als Highlight inszeniert. Hier wird Baden zu einem eleganten Erlebnis.



Das genaue Gegenteil zu einer mondänen Wanneninszenierung ist eine dünnwandige Badewanne mitten im Raum positioniert. Durch ihre optische Leichtigkeit wirkt sie wie lässig reingestellt. Eine moderne Variante, die aber ein entsprechend großräumiges Badezimmer erfordert. Die Komplettverspiegelung der hinteren Wand vergrößert das Bad zusätzlich um das Doppelte. In diesem fast weißen Raum erinnert nur, außer den Bilderrahmen, der dunkle Holzstamm an das Schwarz-Weiß-Konzept. Dieser zweckentfremdete Handtuchhalter wird allerdings genau dadurch zum besonderen Gestaltungselement.


Der Ort der Erholung und Regeneration ist das Schlafzimmer.

           

Auch hier ist das Hilfsmittel, das Schwarz durch eine andere dunkle Farbe zu ersetzen, angewendet worden. Mutig sind die Wände und der Bodenbelag in Abtönungen von Dunkelbraun gehalten und geben dem Schlafzimmer genau deswegen Wärme und Geborgenheit. Die vielen Kissen machen das Bett kuschelig und die ornamental gemusterte Bettwäsche lockert optisch wieder auf. Denn ansonsten sind die kassettierte Wandvertäfelung, die Randstreifen der Kissen und die Bilderrahmen eher linear. Die Lampe ist als Gegensatz mit einem organisch geformten Fußteil ausgesucht worden. 

Kleiner Tipp: die weiße Wandvertäfelung reicht nicht bis zur Decke. Das ist ein Hilfsmittel, um extrem hohe Räume, z.B. in Stilaltbauten, optisch etwas zu erniedrigen. Kann man auch mit Farbe umsetzen, indem man die Wand horizontal unterteilt.



In der modernen Variante wird konsequent wieder die unifarbene und kompaktere Optik der Elemente angewendet. Einzig das runde, orientalisch anmutende Wandornament ist verspielt und lockert die Strenge auf. Wie bei dem nostalgischen Bad zuvor, werden auch hier die Lampen mit ihren langen Schnüren zum verbindenden Element zwischen Wand und Bett. Da rechts und links neben dem Bett unterschiedliches Mobiliar steht, wird somit die optische Symmetrie erreicht, die ansonsten fehlen würde und das Ganze nur nebeneinander gestellt aussehen würde. So entsteht eine Einheit und das Bett erhält quasi ein Kopfteil.


Von der Haustür bis zum Schalzimmer alles in schwarz-weiß Atmosphäre und trotzdem niemals langweilig! Und sollte man doch mal Sehnsucht nach Farbe haben, läßt dieses Konzept andere, gern auch knallige, Farben zu und gibt ihnen einen besonders herausstechenden Rahmen. 

Daniele Ludewig

Über Belle Sophie

Auf Belle Sophie geht es um Ästhetik.
Sie umgibt uns und begegnet uns jeden Tag in verschiedenster Form. Nicht immer ist das Empfinden für Ästhetik dasselbe. Meinungen gibt es unzählige. Auf Belle Sophie wird eine dieser Meinungen vermittelt.

Aus Liebe zum "ß", weil es einfacher schöner aussieht, taucht es in den Texten ab Oktober 2018 wieder auf. 


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