28. November 2017

Sarah Moon

Modefotografin

 

© Sarah Moon / Quelle: zeit.de

  

Kennen Sie das auch, dass Sie völlig unverhofft etwas entdecken, das Ihnen so gefällt, dass es Sie nachhaltig beeinflusst? Das ging mir neulich so. Ich hatte mich im September an der Hochschule als Gasthörer eingeschrieben und Architekturfotografie belegt. Gleich in der ersten Stunde sollte sich jeder einen Fotografen oder eine Fotografin aus einer Liste aussuchen, um ihn oder sie in einer der nachfolgenden Unterrichtsstunden vorzustellen. Der Lehrbeauftragte wollte uns so einen Überblick über die Fotografie und über die verschiedenen Architekturfotografen/innen geben, dachte ich mir. Was ich nicht gedacht hätte, war, dass es um Fotografen/innen aus allen Genres ging.

Die Studenten/innen vor mir wählten alle einen männlichen Namen aus; allerdings war die Liste auch sehr männerdominiert. Aus stillem Protest und im Sinne der Gleichberechtigung wählte ich natürlich jetzt eine weibliche Künstlerin. Wie alle Namen kannte ich auch diesen nicht, aber ich landete einen Volltreffer. Was ich fand war eine Fotografin, die einen Bildstil hatte, der mich durch seine sanfte Sinnlichkeit unglaublich faszinierte, und sie war auch noch Modefotografin. Toll!

 

© Sarah Moon / Quelle: lateliertheblog.wordpress.com

 

Sarah Moon ist eine französische Fotografin und Filmemacherin, die 1941 als Marielle Warin in Vernon, Südfrankreich, geboren wurde. In jungen Jahren arbeitete sie als Mannequin in Paris und London. Als Hobby fing sie an, ihre Model-Kolleginnen zu fotografieren, wodurch Backstagefotos entstanden, die eben nicht das typische „Haute-Couture-Model auf dem Laufsteg“ zeigten. Ihre Fotos fielen auf und sie bekam erste bezahlte Aufträge als Modefotografin.

 

Bild aus dem Pirelli-Kalender 1972 / © Sarah Moon / Quelle: auto-motor-und-sport.de

 

Das Fotografieren selbst und die Entwicklung ihres eigenen und spezifischen Bildstils erarbeitete sie autodidaktisch. Als Inspiration dienten ihr die Schwarz-Weiß-Filme von Erich Stroheim oder „Metropolis“ von Fritz Lang. Und da ihr „die gängige, standardisierte Modefotografie nicht gefiel“ stechen ihre Arbeiten heraus, indem sie manchmal aussehen wie ungewollte Schnappschüsse. Tatsächlich lässt sie sich aber viel Zeit für ein einzelnes Bild, bevor sie dann endlich abdrückt.

„Die Fotografie ist die Seele aller Momente, die Seele des Moments,

den man gerade eben zu Ende gehen sah.“  

Sarah Moon

 
Quelle: maledettifotografi.it

 

Zeitlicher Überblick

1968 hat sie zusammen mit anderen Künstlern ihre erste Foto-Ausstellung, die von ihrem Ehemann protegiert war.

1970 beendete sie das Modeln, widmete sich ganz der Fotografie, und gab sich den Künstlernamen „Sarah Moon“.

1972 war sie die erste Frau, die für den Pirelli-Kalender fotografierte.

1985 filmte sie erste Kurz- und Werbefilme und wendet sich ab von der intensiven, kommerziellen Modefotografie hin zu einer minimalistischen Bildsprache, zu der dann auch Landschaftsbilder gehören.

 

© Sarah Moon / Quelle: agnautacouture.com

 

Sie arbeitete lange mit Cacharel zusammen, aber auch für andere große Modehäuser wie Dior und Chanel. Ihre Bilder erschienen u.a. in den Zeitschriften Vogue, Marie Claire und Elle.

 

Bildstil / Bildsprache

Ihre Modefotos konzentrieren sich auf den Schnitt und die Form des Kleides:

- sie zeigt gern die Rückenansicht

- sie liebt starke Formen / sie will etwas „Eigenes“ aus dem vorhandenen machen

- sie zeigt Frauen voller Eleganz und Anmut

- Rücknahme der Bildschärfe

- Zeit und Raum verschwimmen

In ihren Bilder gibt es keinen Personenkult, nicht das Model steht im Vordergrund, sondern das Kleid und die Stimmung des Bildes, daher arbeitet sie lieber mit unbekannten Personen.

Sie zeigt feminine Frauen, frei von sexuellen Anspielungen:

- verführerisch, aber kein „aufgesetztes“ Spiel der Verführung

- sie steht auf dem Standpunkt, dass eine Frau eine Frau anders fotografiert als es ein Mann tun würde, ebenso interagiert ein weibliches Model gegenüber einer Frau anders als gegenüber eines Mannes

Es soll eine Intimität zwischen ihr und dem Model entstehen.

Die abgebildeten Personen wirken geheimnisvoll und entrückt.

Die Bildstimmung wirkt häufig wie aus einer anderen bzw. „alten“ Welt stammend.

Sie arbeitet mit Polaroids und die Prints werden von deren Negativen erstellt.

 

Sie gilt heute als eine der bekanntesten Modefotografinnen der Welt. Ihre Bilder werden als „poetisch und atmosphärisch" beschrieben und durch die Unschärfe wirken sie "traumhaft“.

 

Portfolio

... anschauen und genießen ...

 

1996 Fotografie eines Kleides von Yohji Yamamoto
© Sarah Moon / HA // Quelle: abendblatt.de

 

Bild aus dem Pirelli-Kalender 1972 / © Sarah Moon / Quelle: auto-motor-und-sport.de

 

© Sarah Moon / Quelle: agnautacouture.com

 

© Sarah Moon / Quelle: kesimarcusphoto1.blogspot.de

 

© Sarah Moon / Quelle: fairfood4u.de

 

© Sarah Moon / Quelle: graphicine.com

 

„Eva 1997“ / © Sarah Moon / Quelle: prophoto-online.de

 

Bild für das Modehaus Biba / © Sarah Moon / Quelle: agnautacouture.com

 

© Sarah Moon / Quelle: condenaststore.com

 

Daniele Ludewig 

 

Quellen und weiterführende Informationen:

http://www.zeit.de/lebensart/mode/2011-11/modefotografin-sarah-moon 

http://www.spiegel.de/stil/sarah-moon-now-and-then-duestere-welten-in-den-deichtorhallen-a-1064942.html

http://www.achtung-mode.com/nicht-von-dieser-welt-sarah-moon-ein-gegenentwurf-zur-etablierten-modefotografie/

Über Belle Sophie

Auf Belle Sophie geht es um Ästhetik.
Sie umgibt uns und begegnet uns jeden Tag in verschiedenster Form. Nicht immer ist das Empfinden für Ästhetik dasselbe. Meinungen gibt es unzählige. Auf Belle Sophie wird eine dieser Meinungen vermittelt.

Aus Liebe zum "ß", weil es einfacher schöner aussieht, taucht es in den Texten ab Oktober 2018 wieder auf. 


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