20. April 2018

Mode im Rokoko

Höhepunkt der Opulenz

 

Das Rokoko ist keine eigene Stilepoche, sondern die Spätphase und zugleich der Höhepunkt des Barock. Alles wird auf die Spitze getrieben. Die Architektur wird noch verspielter, die Umgangsformen noch affektierter und die höfische Mode noch opulenter. Gleichzeitig ist es aber auch eine Gegenbewegung zu dem, was bis dato war. Aus absoluter Ordnung und Symmetrie wird Asymmetrie und Monarchie und Kirche verlieren allmählich ihren absoluten Machtanspruch.

 

„Die Schaukel“ (Jean-Honoré Fragonard, um 1755) / Bild: © gemeinfrei
Die Dame des Rokoko präsentiert sich gern in der Rolle einer kleinen koketten Schäferin, der ein schmachtender Liebhaber zu Füßen liegt – hier im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Der Rokokomensch entdeckt sein Interesse für Philosophie und Naturwissenschaften, entwickelt dabei ein vernunftfähiges Denken und stellt das alte Gesellschaftssystem in Frage. Er wendet sich den eigenen Interessen zu und gibt sich seiner kindlichen Naivität und der landschaftlichen Idylle hin. Dabei kokettiert er – vor allem die Damen – nur allzu gern mit seiner vermeintlichen Unschuld und gibt sich seinen Gefühlen und seiner Empfindsamkeit hin. Allerdings nur scheinbar, denn tatsächlich ist dies nur gespielt und vorgetäuscht. Ausschweifende Hoffeste und ein frivoler Lebensstil der Oberschicht finden bei der Bevölkerung allmählich keine Akzeptanz mehr.

Wie in den Epochen zuvor ist auch im Rokoko die Mode Ausdruck von Selbstdarstellung, aber auch von gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen. Dreh- und Angelpunkt der Einflüsse auf ganz Europa war und ist Frankreich. So ist es nicht verwunderlich, dass den Beginn und das Ende des Rokoko politische Geschehnisse in Frankreich flankieren. Am Anfang steht der Tod von „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. und ein “Negligé“ und am Ende die Französische Revolution und eine Hofkleidung mit extremen Ausmaßen.

 

Marie Antoinette, Königin von Frankreich (um 1778) in Hofgala / Bild: © gemeinfrei

 

 

Tod des Königs

1715 stirbt Ludwig XIV. und das Hofzeremoniell findet in Ermangelung eines volljährigen Thronfolgers vorerst nicht mehr statt. Das führt dazu, dass der Adel und der Hofstab sein gesellschaftliches Leben in die Palais und die Stadtschlösser außerhalb von Versailles verlagert. Von nun an wird bei diesen kulturellen Treffen geprägt, was „en vogue“ ist und was nicht mehr; es ist nun weniger die Hofkleidung an der sich orientiert wird. Weiterhin existiert aber eine Kleiderordnung, um Rang und Stand der Gesellschaft zu ordnen, jedoch wird sich allmählich darüber hinweggesetzt.

 

„Salon de Madame Geoffrin“ (1755) / Gesellschaftliches Treffen der Oberschicht bei denen diskutiert, musiziert oder auch vorgelesen wurde. / Bild: © gemeinfrei

  

Die Damen legen vor !

Im Gegensatz zu den Epochen zuvor, bei denen die Männermode stilprägend war, sind es nun die Damen, die modisch vorlegen. Drei wesentliche Merkmale bestimmen die Damenmode des Rokoko: 

1.) Die Rockform

Der steife Reifrock kommt zurück, der französisch „Panier“ (= Korb) genannt wird. Die Veränderung der Rockform wird im Wesentlichen die Mode des Rokoko prägen.

2.) Die Watteaufalte

Die Damenrobe entwickelt sich zu einem Gewand mit großer Rückenfalte, der „Watteaufalte“, die das gesamte Rokoko über erhalten bleiben wird.

3.) Der Aufputz

Im Wesentlichen ist es nicht mehr der Schnitt des Kleides, der sich verändert, sondern der „Aufputz“ klassifiziert das Kleid. So kann aus einem Straßenkleid eine Galarobe werden. Für dieses modische Aufmotzen der Gewänder waren vor allem die sogenannten „Putzmacherinnen“ zuständig; nicht die Schneider.

 

Bei den Herren geht es indes unspektakulärer zu. Sie tragen immer noch den seit Ende letzten Jahrhunderts bereits in Mode gekommenen dreiteiligen Herrenanzug, den „Justaucorps“, der im Wesentlichen bis zum Ende des Rokoko unverändert bleiben wird. 

Dieser klassische Herrenanzug besteht aus einer anliegenden Kniehose („Culotte“), Weste und knielangem, kragenlosem Leibrock („Justaucorps“). Weste und Rock sind fast gleich lang, haben beide lange Ärmel und sind beide aus gutem Stoff, da die Weste auch ohne den Rock darüber getragen werden darf. Die Spitze des Hemdes guckt am Kragen („Jabot“) und den Handgelenken hervor.

 

Philipp V. von Spanien in Hoftracht (1712), bestehend aus kragenlosem Rock mit weiten Ärmeln und großen Ärmelumschlägen, Perücke mit Zopf im Nacken und Dreispitz./ Bild: © gemeinfrei

 

Trug der Herr letztes Jahrhundert noch die Allongeperücke mit den seitlich lang herabfallenden Locken, ist sie nun deutlich kürzer und am Hinterkopf glatt, zum Zopf gebunden und zudem weiß gepudert. Als Haftgrund wird Pomade ins Haar gestrichen. Ein Dreispitz auf dem Kopf, oder wegen des Puders nur unter dem Arm getragen, komplettiert den gut gekleideten Kavalier. Rote Absätze und silberne Schuhschnallen sind indes immer noch ein Zeichen für den gehobenen Stand.

 

Ab 1720  

Die Damen tragen als Gewand die „Adrienne“, die in ihren verschiedenen Schnittvariationen auch „Robe volante“ (= wehendes Kleid) genannt wird. Diese Robe hatte sich aus einem bequemen Haus- und Straßenkleid, dem “Negligé“, entwickelt und war weit geschnitten, hatte nur eine leichte Taillenbetonung und ganz wichtig: die „Watteaufalte“ am Rücken.

Die Grundform ist das bereits letztes Jahrhundert dagewesene „Manteau“, einem vorn offenen Mantelkleid. Darunter wird ein Mieder mit verziertem Vorderteil („Stecker“) getragen und ein Rock („Jupe“), der entweder aus gleichem oder anderem Stoff ist wie das „Manteau“. Der Reifrock („Panier“) ist kuppelförmig.

 

Gräfin Anna Karolina Orzelska (eine uneheliche Tochter von „August dem Starken“, um 1730) / Bild: © gemeinfrei
Sie trägt einen kuppelförmigen Reifrock, darüber „Manteau“ und „Jupe“ aus verschiedenen Stoffen.

 

Das Tragen eines Korsetts oder Mieders gehörte zu dieser Zeit obligatorisch zu jeder Kleidervariante dazu, egal ob sichtbar oder nicht. Selbst zu Hause wurde es getragen, allerdings in einer nicht ganz so steifen Variante („Gourgandine“). Die Frisuren waren schlicht und nur hochgesteckt. Auf jeden Fall auf der Straße, aber manchmal auch zu Hause, trugen Frauen und Mädchen ein Spitzenhäubchen mit herabhängenden Bändern („Barben“).

 

„Die Liebeserklärung“ (um 1730, Jean Francois de Troy) / Bild: © gemeinfrei
Stehende Dame in „Robe volante“ mit „Watteaufalte“. Sitzende Dame in silberfarbener „Kontusche“ (eine Schnittvariante der „Adrienne“), nur leicht tailliert, darunter „Jupe“, hier aus selbigem Stoff und Mieder mit dekorativer Zierschnürung. Beide sitzenden Damen tragen Häubchen mit „Barben“.

 

Die Männer tragen den knielangen Leibrock („Justaucorps“) jetzt vorne grundsätzlich offen und immer über der Weste. Diese hat daher keine Ärmel mehr und das Rückenteil ist aus einfachem Leinenstoff. Die Hose ist enganliegend und unterhalb des Knies gebunden. Die Strümpfe reichen bis zu den Knien und werden mit Strumpfbändern festgebunden. Für eine gute Beweglichkeit beim Sitzen und Reiten ist die Hose am Gesäß weit geschnitten. Der „Justaucorps“ hat zu diesem Zweck hinten einen faltenreichen Schoß und einen Schlitz. Die Haare der Perücke sind im Nacken mit einer schwarzen Seidenschleife zu einem Zopf zusammengebunden und teilweise in einen schwarzen Haarbeutel gesteckt; z.B. in Frankreich.

  

Nach 1730 ...

... kommt bei den Damen die „Robe à la Française“ auf. Ihre charakteristische Rockform entsteht durch den Reifrock „à coudes“, der die Robe vorn und hinten oval abflacht und das Kleid seitlich aufspreizt. Sie ist wesentlich taillierter als die „Adrienne“, erlaubt aber ebenso vorne den Blick auf „Jupe“ und Mieder, welche dementsprechend aus edlem Stoff und mit Zierschnürung versehen sind.

Die Kleidervariationen können mittels „Aufputz“ zur bürgerlichen Festkleidung „Parure“ oder zur höfischen Galakleidung „Grande parure“ ausgestattet werden. Die „Robe à la Française“ wird Minimum als „Parure“ („Halbputz“) getragen, und ab 1740 ist sie als „Grande parure“ („großer Putz“, höfische Galakleidung) die gängige Hoftracht.

 

 

„Robe à la Française“ (1740 - 1760) mit mehrlagigen „Pagodenärmeln“ / Bild: © gemeinfrei

 

Die Roben bestanden aus edlen Seidenstoffen und waren mit Gold- oder Silberfäden durchwirkt. Die Ärmel waren ellenbogenlang, ab da weit („Pagodenärmel“) und mehrlagig. Die Ärmel und das Dekolleté waren häufig mit Stickereien und Klöppelspitze verziert.

 

Ab 1750    

Der Reifrock bei der Damenrobe wird schmaler und das Mantelkleid („Manteau“) fällt weg. Die Robe besteht jetzt nur noch aus einem Rock und einem Oberteil mit Ärmeln. Dementsprechend aufwändig ist es gestaltet. Der „Aufputz“ besteht aus Perlen, Kunstblumen, gerüschten Volants und Schleifen aus Samt oder Seide. Die verwendeten Stoffe sind kleinteilig gemustert oder unifarben. Das Haar wurde entweder wie bisher leicht gewellt und anliegend getragen und zum anderen orientierte man sich an den Männerperücken und den geordneten Rolllocken. Teilweise griffen die Damen jetzt auch zur Perücke.

 

Portrait von Madame de Pompadour (François Boucher, um 1756), Geliebte von Ludwig XV. / Bild: shutterstock.com

 

Eine neue Variante der Damenrobe ist die „Robe à la Polonaise“. Hier wird das Obergewand hinten und an den Seiten hochgerafft. Der Rock ist mäßig weit und im Gegensatz zu den vorigen Roben ist sie später fußfrei (ab 1775). Sie galt europaweit als städtisch-bürgerliche Kleidung und diente der adeligen Dame als „Parure“-Gewand (Halbputz).

 

Luise Ulrike von Preußen (um 1744) im Kleid mit seitlicher Raffung und Perücke mit Rolllocken / Bild: © gemeinfrei

 

Bei den Herren ist die Dreierkombination Leibrock plus Weste plus Kniehose immer noch aktuell. Lediglich der Schnitt und die Details verändern sich etwas, und der Leibrock wird jetzt „Habit“ genannt.

Der Leibrock bekommt einen Steh- oder Umlegekragen, ist knapp geschnitten und wird vorne nur mit Haken oder Ösen im Brustbereich geschlossen. Knöpfe und Knopflöcher sind mit Seidenstickereien oder Pailletten verziert und dienen nur noch der Dekoration. Die Kanten am Leibrock, der Weste und um die Taschen herum sind ebenfalls mit floraler Stickerei in Plattstich reich verziert. Die Weste ist jetzt deutlich kürzer und reicht nur noch bis Mitte Oberschenkel. Das tragen eines Degens ist obligatorisch für die Herren der Oberschicht.

  

Ludwig XV. (um 1750) im „Justaucorps“  (jetzt „Habit“), darunter oberschenkellange Weste, Hemd mit Halsbinde und anliegender Kniehose („Culotte“) und „Baudrier“ (Schärpe mit Degen) / Bild: © gemeinfrei

  

Neue Einflüsse aus England

Der Wegfall des absolutistischen Herrschers Frankreichs führte zu einer wesentlichen Veränderung der gesellschaftlichen Ordnung, die allerdings ebenfalls Auswirkung auf Gesamteuropa hatte. Andere Stilrichtungen, die sich schon kurz nach 1700 an anderen europäischen Höfen entwickelt hatten, konnten sich nun verbreiten und im Laufe des Rokoko etablieren. Man emanzipierte sich von den Vorgaben aus Versailles und begründete eigene Stilrichtungen. 

Aus England kam eine völlig andere Mode, die als „Englische Mode“ den Kontinent beeinflusste. Schon seit dem vorigen Jahrhundert existierte hier eine parlamentarische Monarchie. Der englische Adel hielt sich hier nicht in einer zentralistischen Schlossherrschaft auf, sondern lebte auf seinen Landsitzen. Er verwaltete seine Besitztümer und verbrachte seine Freizeit mit Reiten und Jagen. Dementsprechend war die Mode auf das Geschäfts- und Landleben abgestimmt.

 

Um 1770 ...

... erreichte dann die Englische Mode den französischen Hof und wurde als „Parure“ (Halbputz) getragen. Die „Robe à l’Anglaise“ (= Kleid im englischen Stil) kam ohne Reifrock daher, sondern nur mit einem kleinen Pokissen. Das Kleid entsprach dem lockerer sitzenden „Negligé“, dessen Oberteil nur vorn mittig mit Ösen und Haken geschlossen wurde. In England wurde die Mode gleichermaßen – allenfalls Unterschiede in Stoff oder Details – vom Bürgertum und den Adeligen getragen.

 

„Der Morgenspaziergang“ (Thomas Gainsborough, 1785) / Bild: © gemeinfrei
Dame mit englischem Kleid, aufgebauschtem Brusttuch („Fichu“), „Gainsborough“-Hut aus Samt oder Taft.

 

Bei den Herren zeichnet sich bereits ab, dass das Rokoko vorerst die letzte Epoche gewesen ist, in der die Männermode farbenfroh und dekorreich war. Mit der Englischen Mode und der Übernahme des bürgerlichen Fracks werden die Farben der Herrenbekleidung wesentlich dezenter und dunkler. 

Indes erreicht bei den Damen in Opulenz und Prunk die „Robe à la Française“ mit dem seitlich weit auskragenden Reifrock „à coudes“ als zeremonielle Hofkleidung ihren Höhepunkt. Der Reifrock kragte an den Seiten so weit aus, dass die Damen schräg durch die Türen gehen mussten. Dazu wurde die hohe Rokoko-Frisur getragen. Die eigenen Haare oder die einer Perücke wurden mit Drahtgestellen und Rosshaarkissen in die Höhe gebaut und mit Federn, Perlen, Schleifen und sogar kleinen Modellen geschmückt. Sie war mit Pomade gesteift und weiß, rosa oder bläulich gepudert. In ihrem größten Ausmaß „sollte sie so hoch sein“, dass das Kinn die Körpermitte ist.

 

Das Durchschreiten durch eine normale Tür wird zur Herausforderung für die Damen.
Dame mit „Panier à coudes“ bzw. in „Robe à la Française“ (Frankreich 1777 / Jean-Michel Moreau) / Bild: © gemeinfrei

 

Ab 1785 ...

... wird die „Robe à l’Anglaise“ mit entsprechendem Aufputz als „Grande parure“ (höfische Galakleidung) getragen. Unter der Bezeichnung „Cul de Paris“ wird die Bauschung am Gesäß extremer.

Die Frisuren sind von ganz extrem hoch und dekoriert zu flach und wuschelig geworden. Die sogenannte „Igelfrisur“ wird von Männern und Frauen gleichermaßen getragen, genauso wie der breitkrempige Hut („Gainsborough“-Hut) oder der kleine Zylinder aus der Englischen Mode.

 

Dame in „Robe a l’Anglaise“ mit „Cul de Paris“, Wuschelfrisur und breitkrempigem Hut (1784) / Bild: © gemeinfrei

 

 

Französische Revolution

1789

Im Laufe des 18. Jahrhunderts hatte sich das Bürgertum und die Unterschicht aus stillem Protest gegen das herrschende System Zunehmens der strengen, die Stände trennende Kleiderordnung durch Nichteinhaltung widersetzt. Die Französische Revolution und die Guillotine beendeten das System, in das die Gesellschaft eingeengt war. Das geistig mündig gewordene Bürgertum hatte sich von der despotisch waltenden Hofhierarchie befreit.

Die anschließende Mode war ein völliger Gegensatz zu dem bisher Dagewesenen. Nichts sollte mehr an die royale Zeit erinnern. Der Kleidungstil des sich ab 1795 anschließenden „Directoire“ lehnte sich an der Antike an und strebte nach Freiheit und Natürlichkeit: kein Korsett, kein Reifrock, keine Perücke oder Haube mehr und kein weißer Puder.

 

Daniele Ludewig

  

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Die Schönheit hat ihren Preis

 

Kurfürstliche Familie von Sachsen (1772, Johann Eleazar Zeissig)
Gemäldegalerie Dresdner Zwinger / Bild: © gemeinfrei

 

Die natürliche Schönheit war im Rokoko nicht wichtig, sondern der Schein und das Künstliche traten in den Vordergrund. Perücken, weißer Puder und Schminke waren ein wichtiger Bestandteil der Mode. 

Puder war ein Standesmerkmal und für die unteren Schichten verboten. Die „noble Blässe“ grenzte die Oberschicht von denjenigen Menschen ab, die auf dem Feld arbeiteten mußten und dementsprechend von der Sonne gebräunt waren. Zudem schimmerten durch die weiße Haut die Adern, daher die Bezeichnung „Blaublüter“. 

Der Puder allerdings bestand aus hochgiftigem Bleiweiß oder auch Quecksilber. Obwohl man die toxische Wirkung kannte, wurde es dennoch verwendet. Die Lippenfarbe und das Rouge bestanden aus Zinnober, ein Quecksilbersulfid und ebenfalls gesundheitsschädlich, aber auch gesünderen Inhaltsstoffen wie Safran, Sandel- oder Rotholz. Das teuerste war der Farbstoff Karminrot, der aus den südamerikanischen Cochenille-Insekten gewonnen wurde. 

Puder und Rouge wurden mit Öl oder Pomade gemischt, um ihn als Paste auftragen zu können. Hautausschläge, Haarausfall, Zahnschmerzen und Mundfäule waren die Folge. Die Schminke wurde mit Blumenessenz beduftet. Um speziell dem Mundgeruch entgegen zu wirken wurde ein Taschentuch in Parfüm getränkt und im Mund getragen.

Unter den prunkvollen Gewänder und den voluminösen Frisuren trugen die Herrschaften Flohfallen versteckt. Das kleine lästige Viehzeug sollte von einem kleinen Tuch, welches mit etwas Blut beträufelt war, angelockt werden, um sich nicht dauerhaft in den kostbaren Roben und Perücken anzusiedeln. 

In den Schlössern gab es damals keine Klosetts. Man „erleichterte“ sich in die Ecken der Flure und Räume – irgendein Dienstbote musste das dann aufwischen – oder in den Gassen der Stadt. Waschen und tägliches Baden waren verpönt, da man zu jener Zeit davon ausging, dass Krankheitserreger sich über das Wasser auf die Haut übertragen. 

Hinter dem, was auf den Gemälden und den historischen Abbildungen nach sehr viel Eleganz und Gepflegtheit aussieht, verbarg sich also in Wirklichkeit auch eine hässliche und übelriechende Seite.

 

„Es ist eben nicht alles Gold, was glänzt.“

Daniele Ludewig

 

 

 

 

 

 

Über Belle Sophie

Auf Belle Sophie geht es um Ästhetik.
Sie umgibt uns und begegnet uns jeden Tag in verschiedenster Form. Nicht immer ist das Empfinden für Ästhetik dasselbe. Meinungen gibt es unzählige. Auf Belle Sophie wird eine dieser Meinungen vermittelt.

Aus Liebe zum "ß", weil es einfacher schöner aussieht, taucht es in den Texten ab Oktober 2018 wieder auf. 


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