14. September 2017

Tätowierung überall!

 

 

Es gibt mittlerweile so gut wie keinen Fußballer mehr, der nicht tätowiert ist. Models und Stars lassen sich Geburtstage, Löwenköpfe oder asiatische Schriftzeichen auf den Körper tätowieren. „Bemalte" Haut wo man hinschaut („ich weiß, es ist gestochen“). Der Körper wird als Leinwand benutzt und als Ausdrucksfläche persönlicher Einstellungen, von denen man meint, es müsse nach außen getragen und der ganzen Welt offenbart werden. Wie immer mit der Kunst ist es allerdings Geschmacksache, ob es Gefallen findet oder abstoßend auf andere wirkt. 

Zwischen optisch aufdringlichen Fußballern und weiblichen Tattoo-Models, die bis zum Hals tätowiert sind, habe ich mich mal in dieses Metier der Körperbemalung vorgewagt und versucht, mir ein eigenes Urteil zu bilden. Wann empfinde ich Hautbemalung eigentlich als ästhetisch und ab wann driftet sie ab in übertrieben und vielleicht sogar lächerlich?

Dass Tätowierungen derzeit eine gesteigerte Aufmerksamkeit bekommen, sieht man an dem aktuellen Fernsehprogramm. Ich glaube es gibt mittlerweile drei oder sogar vier Sendungen, die sich mit dieser Form der Körpergestaltung beschäftigen. In ihrem Ursprung ist die Körperbemalung jahrtausendealt. Neu ist die teilweise Sinnlosigkeit der Motive, die aufgebracht werden. In besagten Sendungen sind Menschen dabei, die sich völlig sinnentleerte Bilder haben tätowieren lassen. Die landen dann zum Beispiel in der Sendung „Horror Tattoos“ – wie ich finde zurecht! – und haben als Ausrede „Ich war besoffen, als ich mir das hab’ machen lassen“ oder „Ich war ja so verliebt“. Kurze persönliche Anmerkung: Der Name des Lovers oder der aktuellen Miss Right gehören nicht dauerhaft in die Haut eingestochen!

War früher die Tätowierung beispielsweise Kennzeichen der Stammeszugehörigkeit oder diente Kriegern zu Abschreckung der Gegner, dient sie heutzutage der breiten Masse überwiegend zur Selbstdarstellung und der Geltungssucht. „Ich bin besonders und vor allem anders als du“ will der Träger damit ausdrücken und seine innere Abgrenzung gegenüber der Gesellschaft verkünden. Ehrlich gesagt habe ich schon oft Menschen gesehen, an denen die Tätowierung überhaupt nicht zu deren Persönlichkeit passte und es nach einem krampfhaften Versuch aussah, sich hervorzuheben. Offensichtlich haben diese Personen nicht das Gefühl, dass auch geistiges Potential und Charakter Ausdruck von Besonderheit sein können.

Meiner Meinung nach sollte eine Tätowierung zur Persönlichkeit der Person passen, und deswegen sollte man lange überlegen und genau auswählen, welches Motiv den eigenen Körper schmücken soll. Allein diese Auseinandersetzung mit sich selbst und dann der Entscheidung für ein Motiv, ist Ausdruck von Persönlichkeitsfindung und -stärke. Der besoffene Zustand oder die geistige Verwirrtheit eines verliebten Menschen sind keine guten Ratgeber für die dauerhafte Körpergestaltung.

Ganz kühn würde ich mal behaupten, dass man sowieso sieht, ob die Tätowierung zu der Persönlichkeit des Trägers passt. Meine Freundin nennt das „stimmig“. Bei Menschen an denen es nicht stimmig ist oder der Körper gnadenlos überfüllt ist mit Motiven und Bildern, kommt noch ein anderes Problem hinzu: die berufliche Kompatibilität. Tätowierungen und äußeres Erscheinungsbild werden nicht immer unvoreingenommen betrachtet. Es gibt die berühmte „T-Shirt-Grenze“, außerhalb derer man in vielen Berufen besser keine Tätowierung hat. Zum anderen gibt es da noch den Eindruck, den man anderen gegenüber vermittelt. Es ist nun einmal so, dass bestimmte Motive oder eine überladene Körperbemalung unter Umständen dem Träger eine mangelnde Kompetenz bescheinigt – um es mal höflich zu formulieren.

Im Kamasutra steht, Liebesmale wie Knutschflecken oder Bissmale sind nur an Körperstellen zu hinterlassen, die nur die Liebenden sehen, wenn sie nackt sind. Die Erotik einer Tätowierung könnte also durch ihre Intimität entstehen, indem man sie an einer Stelle trägt, die Fremden verborgen bleibt. Ebenso reizvoll kann es sein, wenn nur eine kleine Stelle eines Motives unter der Kleidung hervorblitzt, bei der man sich dann fragt: „Was ist da drunter?“. Und schon denkt man auch darüber nach, wie diese Person wohl nackt aussieht; das kann sehr reizvoll sein.

Zuviel und zu unübersichtlich ist eher langweilig und manchmal sogar aufdringlich. Man wird einfach mit dem geballten inneren eines fremden Menschen konfrontiert, obwohl man das gar nicht möchte. Das ist mitunter sehr anstrengend für die Augen und die Toleranz gegenüber dieser Person, die vielleicht ganz nett und klug ist, es aber leider hinter einer Fassade versteckt und davon ablenkt.

Als ich nach Bildern gesucht habe mit tätowierten und bemalten Menschen, um mich auf dieses Thema einzustimmen, erschienen fast nur Fotos mit jungen und mehr oder minder attraktiven Menschen. Ergo muss man sich fragen, wie ein Tätowierter dann im Alter aussieht. Wenn ich mich mal darauf besinne, was ich alles schon auf der Straße gesehen habe, kann ich nur sagen: „Häufig nicht mehr so schön“. Wenn man älter wird sieht so manches Motiv albern und verknittert aus. Haut neigt im Alter nun mal zum Faltenwurf, da beißt die Maus keinen Faden ab. Man sollte sich also diesbezüglich genauestens Gedanken machen!

Aber egal ob jung oder alt, gibt es meiner Meinung nach gute und weniger gute Stellen am Körper, die sich für „dauerhafte Brandzeichen“ eignen. Manche Sachen sehen schlichtweg einfach dämlich aus, ganz besonders an Frauen.

 

Was gar nicht geht:

- Tätowierungen auf Waden und Oberschenkeln

- viele einzelne Motive an den verschiedensten Körperstellen, die im allerschlimmsten Fall überhaupt nichts miteinander zu tun haben

- das „Arschgeweih“ bei Frauen (an Männern habe ich so etwas auch noch nicht gesehen)

- Kompletttätowierung des gesamten Körpers (sieht gruselig aus und tut den Augen weh)

- lächerliche Bildmotive wie das Konterfei von Bart Simpson oder Hello Kitty, eigentlich sind grundsätzlich alle Zeichentrickfiguren tabu

- zu bunte, bildhafte Motive, da es leicht ins Kitschige abdriften kann

- einen „zutätowierten“ Hals, da es schon beim Anblick Beklemmungen auslöst und der Kopf wie ein Fremdkörper oben drauf zu sitzen scheint

- Gesichtstätowierungen jeglicher Art

 

Geeignete Stellen für Frauen:

- oberhalb des Knöchels

- seitlich oben auf dem Fußrücken

- Leiste und Unterbauch, weil sehr intim 

- auf dem Rücken zwischen den Schulterblättern, entlang der Wirbelsäule oder auf einem der Schulterblätter

- oberer Hals hinterm Ohr

- im Nacken

- Innenseite von Handgelenk, Unterarm und Oberarm

- die Oberarme außen oder der gesamte Arm sind sehr, sehr typabhängig

 

Grundsätzlich ist weniger mehr und das tätowierte Körperteil sollte „vorzeigenswert“ sein. Wer keinen schönen Rücken hat, sollte dort auch nicht noch einen „Hingucker“ platzieren. Auf einem schönen, männlichen, muskulösen Oberarm sieht ein Tattoo ja auch besser aus als auf einem schlaffen. Nachdem ich jetzt ein paarmal die besagten Sendungen angeschaut habe, kann ich zudem nur sagen: Es gibt himmelweite Unterschiede zwischen der Qualität eines Tattoos und der Professionalität eines Tätowierers! Ich war teilweise sehr beeindruckt von dem Können und den Kunstwerken, die da kreiert wurden – unglaublich! Lieber ein paar Euros mehr ausgeben und ein wirklich ästhetisches und gelungenes Tattoo auf dem Körper tragen.

Manchmal überlege ich auch ob und wenn ja, was ...?

Helena von Rehberg

Über Belle Sophie

Auf Belle Sophie geht es um Ästhetik.
Sie umgibt uns und begegnet uns jeden Tag in verschiedenster Form. Nicht immer ist das Empfinden für Ästhetik dasselbe. Meinungen gibt es unzählige. Auf Belle Sophie wird eine dieser Meinungen vermittelt.

Aus Liebe zum "ß", weil es einfacher schöner aussieht, taucht es in den Texten ab Oktober 2018 wieder auf. 


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