06. Mai 2017

Schwester schnuppert Shisha-Luft

Ein Erlebnisbericht von Daniele "Dany" Ludewig, die ihren Bruder, den Herausgeber und Gründer der Zeitschrift „Shisha-Journal“, auf die Shishamesse (hookahfair) in Frankfurt am Main begleitete.

 

 

Bei strahlendem Sonnenschein und einem spitzen Parkplatz in einer Seitenstraße nahe der Messe gefunden, lief ich gut gelaunt in Richtung Eingang. Auf dem Weg dorthin kamen mir schon Menschen mit großen Paketen und Tüten entgegen, auf denen brennende Kohlen und rauchende Wasserpfeifen abgebildet waren. Es war bereits gegen halb eins mittags, aber wie von meinem Bruder vorhergesagt, stand immer noch eine große Schlange am Eingang. Ich musste etwas lachen, weil mir in diesem Moment klar wurde, dass die Shisha-Szene keine kleine Randgruppe ist, so wie ich das immer leichtfertig abtat. Die Menschenmassen hier am Einlass belehrten mich eines besseren.

Die lange Schlange ließ ich links liegen und ging direkt in den ersten Stock zum Haupteinlaß, denn ich sollte „reingeholt“ werden. Gesagt getan, wurde ich von einem sehr netten Arbeitskollegen von meinem Bruder, namens Dominik, am Eingang abgeholt, bekam meine Eintrittskarte umgehängt und folgte ihm durch die Einlaßkontrolle in die Messehalle. Hier ging’s zu wie in einem Ameisenhaufen. Es war richtig voll! Wieder konnte ich mir ein Lachen über mich selbst nicht verkneifen, weil ich das Interesse am Shisharauchen wohl mehr als nur unterschätzt hatte. Ich folgte dem netten Mann durch das rege Treiben zu einer abgesperrten Treppe, die in einen separierten Bereich führte. „He, dieser Eingang ist nur für Lieferanten“ rief uns ein junger Mann mit einem Lächeln zu, der gerade hinter der Bar Getränke vorbereitete. Wir lächelten zurück und ich erwiderte: „Naja, im Grunde liefert er ja was, nämlich mich“ und dann sah ich auch schon meinen Bruder Ulf entspannt in einer Männerrunde sitzen, im leichten Nebeldunst der Shishas. Denn auf dieser Messe ist Rauchen obligatorisch.

 

Bildquelle: shishamesse.de

 

Nach einer Weile beschlossen wir, mal die Location zu wechseln. Wir kamen keine drei Meter weit, ohne dass Ulf nicht jemanden kannte oder jemand ihn kannte – was nicht immer dasselbe ist! Am angestrebten Ziel angekommen, der Lounge eines Universalunternehmers (produziert von Shishas über Tabak bis zu E-Zigaretten und sogar Zigarren, alles was das Raucherherz begehrt) stand auch hier eine größere Menschenmenge an, um eingelassen zu werden und eine Shisha zu rauchen. Mein Bruder nimmt mich an die Hand und führt mich routiniert an der Warteschlange vorbei. Ein kurzes Gespräch mit dem Chef und zack, sind wir auch schon drin – im VIP-Bereich versteht sich. 

Während sich Ulf fachlich mit einem Kohlehersteller unterhält, schaue ich mich aus meinem bequemen Sessel sitzend heraus entspannt um und beobachte die Leute. Ich versuche mir ein Bild zu machen, von der Zielgruppe, die in dieser Szene unterwegs ist und offensichtlich zum Fan der orientalischen Wasserpfeife geworden ist. Dabei stelle ich zum einen fest, dass das Shisharauchen offenbar vor allem junge Menschen und alle Nationalitäten erreicht hat und zum anderen, dass das Sitzen in der VIP-Lounge ein bisschen wie im Zoo ist. Wir sitzen im abgesperrten Bereich und ab und zu lunzen immer mal ein paar neugierige Blicke über den erhöhten Sichtschutz, um zu gucken, wer sich da so im Gehege aufhält. 

„Rauchst du auch Pfeife?“ fragt mich der Kohlehersteller irgendwann aus heiterem Himmel. Ich sage „nein, ich rauche überhaupt nicht“. Er fragt mich, was ich dann hier heute mache. Meine Antwort „Ich begleite meinen Bruder und möchte mal sein Arbeitsfeld sehen und mich für seine Welt interessieren“ reizte ihn offenbar nach mehr Details, und er hakt nach: Warum ich denn keine Shisha rauchen würde, warum ich erst jetzt das erste Mal da sei und warum ich nicht wüsste, wer er denn sei. In dem Moment wusste ich, dass ist eine Frage, deren ehrliche Antwort mich aufs Glatteis führen kann. Vorsichtig formuliere ich meine Antwort, weil ich weiß, das kann jetzt schief gehen. „Das ist eigentlich nicht meine Szene“ sage ich vorsichtig und habe den Satz noch nicht zu Ende gesprochen, da wusste ich schon, dass ich mit beiden Füßen auf Glatteis stehe, denn natürlich kam von ihm ein Entsetztes: „Warum nicht!“. An seiner Reaktion merkte ich, dass meine Antwort so falsch angekommen war, wie ich es befürchtet hatte. Elegant versuche ich die Kuh vom Eis zu holen und erkläre ihm, dass ich ja genau deswegen hier bin, um mir ein richtiges Bild zu machen. 

Ich bekomme ein Zeichen von Ulf, dass wir weiterziehen. Er hat fertig geraucht und ich hatte ihn gebeten, mir noch mehr von der Messe zu zeigen. Bis jetzt habe ich nur zwei separierte Lounges gesehen. Zu wenig für eine umfassende Studie. Wir mischen uns also unters Volk. Es ist immer noch gerammelte voll. 

Auf dem Weg durch die Halle zeigt mir Ulf an verschiedenen Messeständen deren Banner, Prospekte oder Produktverpackungen. An manchen Designs war er beteiligt. Natürlich bin ich ein bisschen stolz, aber vor allem beeindruckt davon, wieviel Gestaltungsmöglichkeiten eine kleine Tabakdose hergibt. In einer Raucherlounge liegt ein Stapel Zeitschriften auf dem Tisch; zuunterst das Shisha-Journal. Ich sortiere das beiläufig um und schwupp, liegt das Journal obenauf. Die Tischdeko sieht gleich viel besser aus, finde ich, und folge Ulf weiter durch die Menge. 

 

 
Bildquelle: Shisha Journal

 

Wir kommen nur langsam voran und das nicht nur, weil es so voll ist, sondern weil Ulf viele Hände schüttelt. Wahnsinn wie viele Leute er kennt und auch noch per Namen. Ich werde jedes Mal vorgestellt und höflich begrüßt. Mir gefallen die guten Umgangsformen hier, was in meinem Job leider keine Selbstverständlichkeit ist. Dem „Hallo, sehr erfreut" geht des Öfteren ein freundliches "aaah, die Schwester!" voraus. Hat mein Bruder schon so oft von mir erzählt? Mein Ego und ich sind gebauchpinselt und wir folgen Ulf weiter durch die Menge. 

An einem etwas größeren Stand mit Loungemöbeln, gezimmert aus Paletten (einfach ist eben lässig), der voll ist mit Shisharauchenden und gerade kein Einlass zu seien scheint – aber das hat uns ja heute noch nie aufgehalten – gehen wir zum zweiten Eingang. Der Bewacher des Eingangs begrüßt uns freundlich und hält das rot-weiße Absperrband hoch. Wir schlüpfen drunter durch und bekommen natürlich einen Platz zugewiesen. Ulf möchte einen bestimmten Tabak probieren, der wohl neu auf dem Markt ist. Sein Wunsch wird erfüllt und während wir auf die Shisha warten kommt einer der beiden Chefs der Unternehmensgruppe vorbei. Handshake, ein kurzes Livevideo, ein paar Worte von ihm und Ulf in die Kamera seines Handys und husch, ist er auch schon wieder weg. 

Überhaupt sehe ich andauernd Leute, die ihr Handy hochhalten und irgendetwas fotografieren oder Videos aufnehmen. Rundumaufnahmen mit dem Handy sind hier (fast schon) eine Selbstverständlichkeit. Ich mag es „eigentlich“ nicht, ungefragt aufgenommen zu werden, so richtig legal ist es „eigentlich“ auch nicht, Fremde ohne deren Einverständnis überall aufzunehmen, aber man muss sich heutzutage „eigentlich“ damit abfinden, denn man kann sich dem kaum entziehen. Im Laufe des Tages finde ich mich dann auch irgendwie damit ab – „eigentlich“ :-) 

Nach dem Testing des speziellen Tabaks gehen wir weiter. Es gibt noch vieles zu sehen, denn die Halle ist groß! Ulf erklärt mir alles. Es kommt mir vor, als ob er alle Marken und Hersteller kennt, ob klein oder groß. Besonders fällt mir auf, dass die Unternehmer, Hersteller und Produzenten fast ausschließlich junge Leute sind, die hier ihr Engagement und auch ihr Geld investieren, um ein Unternehmen aufzubauen. Bei den Gesprächen höre ich heraus, dass „Made in Germany“ und der Verzicht auf chemische Pestizide gerade bei der Herstellung des Tabaks ein Gütesiegel zu sein scheint, auf das die Shisha-Szene wert legt. Das gefällt mir! Stattdessen wird unsere Kleidung, sowie fast alles andere, ja aus China importiert. 

Während mein Bruder seine Fachgespräche führt, schweift mein Blick immer mal wieder in der Gegend herum und eines ist mal klar, so wie auf der Automesse gilt auch hier: mit schönen Frauen verkauft sich alles besser. Lange Haare, enge Hosen, bauchfreie Tops, hervorblitzende BH's ... Hübsche Mädels und Granaten so weit das Auge reicht. Bewundernd schaue ich zu, wie die Ladies diese schweren Wasserpfeifen hin und her tragen und über die Tische heben. Die brauchen definitiv kein Armtraining mehr. Die wissen was sie getan haben, wenn sie abends Heim gehen.

Gegen fünf Uhr wird es endlich etwas leerer und wir steuern nach unserer großen Tour die Lounge an, wo heute Mittag die Reise begann, trinken was und rauchen eine Abschlußpfeife. Ziemlich erschöpft schleppen wir uns ins Hotel und legen mal kurz die Füße hoch, bevor es zur Abendveranstaltung geht. Wir, oder besser gesagt das Shisha-Journal-Team plus schwesterlicher Begleitung, sind eingeladen von einem namhaften Kohlehersteller in ein ebenso namhaftes Frankfurter Restaurant. Hier wurde uns und circa 20 geladenen Gästen ein fantastisches 4-Gänge-Menü serviert, das wirklich sensationell gut war! Anschließend ging es in den Wintergarten auf die Party, wo sich die Runde vergrößerte. 

Selbstverständlich gab es nicht nur Getränke und Musik, sondern es wurden auch Shishas gereicht. Die waren zwar umsonst, versteht sich, aber egal, bei der Qualität einer Shisha werden keine Abstriche gemacht! Zwei Züge an der kredenzten Wasserpfeife und schon ist klar: das entspricht nicht den Qualitätsansprüchen des Shisha-Journal-Teams. Mein Bruder und sein Kollege Patrick bemängeln prompt den Geschmack. Man stellt sofort fest: es liegt am Zustand des Kaminaufsatzes. Auf die Beanstandung hin fühlte sich der Zubereiter der Shishas nicht verantwortlich und zeigte sich äußerst kritikunfähig. 

 

 

Frei nach dem Motto „selbst ist der Mann" nehmen das die Journal-Herren somit allein in die Hand und Kollege Patrick fängt vorsichtig an, die Köpfe abzubauen. Ich sehe nur zu, weil ich keine Ahnung habe, bin aber begeistert, wie sie das Problem mit dem offensichtlich schuldigen Pfeifenteil lösen. Kurzerhand legen sie die Kaminaufsätze (die Teil des Kopfes sind, was ich seitdem weiß!) in das Kaminfeuer auf dem Tisch, um sie "auszubrennen". Beeindruckt, von dem versierten Umgang mit den riesengroßen und doch filigranen Shishas, schaue ich schweigend zu.

Je später der Abend desto lauter die Musik. Irgendwann packt uns vier – Bruder Ulf, Kollege Patrick, Empfangskomitee Dominik und meine Wenigkeit – dann doch die Lust zu gehen; ich musste ja auch noch meine müden Knochen nach Hause fahren. 

 

PERSÖNLICHES FAZIT

Für Nichtraucher wie mich definitiv viel angenehmer, denn es riecht gut nach Minze und Früchten. Zudem habe ich viele nette und interessante Leute kennengelernt.

Ich bin baff von der mir völlig neuen Welt, die sich mir hier aufgetan hat. Die Shisha-Szene ist kein Hobby, sondern echtes Business. Es gibt hier Unternehmer, die davon gut und manche mehr als gut davon leben können. Eine Firma beispielsweise hat sich auf die Veredelung von Shishas mit Gold, Platin oder Leder spezialisiert. Diese kosten dann eine sechsstellige Summe. Das hätte ich nicht für möglich gehalten!

Negatives habe ich derzeit nicht zu berichten. Allerdings ist mir schon klar, dass ich in Begleitung von meinem Bruder Ulf einen privilegierten Erstbesuch in dieser Szene hatte.   

 

 

 

Über Belle Sophie

Auf Belle Sophie geht es um Ästhetik.
Sie umgibt uns und begegnet uns jeden Tag in verschiedenster Form. Nicht immer ist das Empfinden für Ästhetik dasselbe. Meinungen gibt es unzählige. Auf Belle Sophie wird eine dieser Meinungen vermittelt.

Aus Liebe zum "ß", weil es einfacher schöner aussieht, taucht es in den Texten ab Oktober 2018 wieder auf. 


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