Ist noch tragbar, was in der VOGUE ist?! 

 

 
Bild: © shutterstock/bellesophie

 

Die Zeitschrift VOGUE ist quasi die Mutter aller Modezeitschriften. Stilbildend, elegant und exklusiv waren nicht nur die Roben, sondern auch die Models. Seit nunmehr über 100 Jahren (die erste Ausgabe erschien 1892 in den USA) werden hier die Trends der kommenden Saison von den großen Designer dieser Welt gezeigt und von den schönsten und teuersten Models vorgeführt. Oder sollte ich besser sagen „wurde“?! Denn bei dem Verwenden der Adjektive „schön“, „teuer“ und „groß“ habe ich mittlerweile Probleme mit der Bedeutung. Viele Models empfinde ich nicht mehr als schön und viele Designer nicht mehr als groß im Sinne von herausragend. Die Mode ist zwar immer noch sehr teuer, entwickelt sich aber in eine fragwürdige und teilweise untragbare Kunstform. 

Guido Maria Kretschmer stellt in seiner Sendung „Shopping Queen“ immer die entscheidende Frage: „Tut dieses Kleidungsstück etwas für dich?“ Er meint: in positivem Sinn vorteilhaft für die individuelle Figur der jeweiligen Frau. Wenn ich mir allerdings die aktuelle Mode anschaue sind da aber viele Sachen dabei, die eine Frau unförmig wie ein Quadratmännchen aussehen lassen, sie jeglicher Weiblichkeit berauben und zu allem Überfluss auch noch so viel kosten wie ein Kleinwagen. „Grotesk“, „absurd“ und teilweise wirklich „hässlich“ wären eher passende Adjektive. 

 

Avanciert Mode mittlerweile zur Kunstform,
die sich selbst genügt und gar nicht mehr den Anspruch hat,
„kleidsam“ zu sein?

 

Als ich klein war kaufte meine Mutter regelmäßig die aktuelle Ausgabe der deutschen Vogue. In unserem Wintergarten, der ihr Leseraum war, lagen Zeitschriftenstapel dekorativ auf dem Fußboden verteilt herum; denn sie hob die Vogues auf! Diese Hochglanzzeitung mit exklusiver Mode und stilvollen Modefotos war wie ein Nachschlagewerk, welches man nach dem Lesen nicht einfach in den Müll entsorgte. Sie empfand den Inhalt der Vogue als eine „optische Augenweide“ und als „stilbildend“. Schöne Frauen in wundervollen Kleidern, die zeigten, in welche Richtung sich die Mode entwickelte und an denen man sich mit Freude orientieren konnte. Zum guten Stil gehörte es auch den Preis nicht anzugeben. Wer in dieser Preisklasse kaufte, legte im Designergeschäft einfach nur die Kreditkarte auf die Theke, fragte nicht nach dem Preis und gab auch nicht im Bekanntenkreis damit an! Gehörte man nicht zu dieser Klientel, nahm man sich an dem Modestil ein Bespiel und kaufte ähnliche Kleidungsstücke von günstigeren Designer.

 

Christy Turlington, eines DER Topmodels der 80er Jahre, auf dem Cover der Januar-Ausgabe 1987 / Bild: pinterest.de

 

Da Kinder eine große Auffassungsgabe haben und beiläufig vieles aufnehmen, kannte ich dementsprechend schon als Teenager die Namen der großen Modefirmen wie Chanel, Valentino, Burberry, Versace und viele mehr. Ich wusste wer Claudia Schiffer, Cindy Crawford, Tatjana Patitz oder Linda Evangelista waren, die großen Topmodels der 80er Jahre. Noch heute habe ich Fotos von damals, die ich aus der Zeitschrift ausgerissen habe, weil ich sie so aufregend schön fand. Die Fotografien waren immer ästhetisch und elegant.

Und heute? Heute ist anscheinend alles anders. Die aktuelle Mode gerät immer mehr zu irgendetwas zwischen undefinierbar und körperentstellend bis zu absurd überteuert. Man fragt sich, wer eigentlich die Zielgruppe für diese stoffgewordenen Entartungen ist? Früher waren es beispielsweise erfolgreiche Geschäftsfrauen und die Ehefrauen gut verdienender Manager. Aber diese erwachsenen Frauen in einem Alter ab 35 oder 40, die über die finanziellen Mittel verfügten, in dieser Kategorie einzukaufen, bevorzugten einen klassischen und eleganten Stil. Kleidungsstücke in denen man halbnackt ist und die Beine bis zum Po sehen kann, war ein absolutes „No-Go“.

Bild: VOGUE Februar 2017

 

Wer soll so etwas tragen? Junge Mädchen können nicht, denn sie haben in der Regel nicht das nötige Kleingeld für ein Louis-Vuitton-Kleid und gestandene, im Berufsleben stehende Frauen sollten nicht. Denn wenn eine Frau so zur Betriebsfeier ginge, muss sie sich nicht wundern, wenn die männlichen Kollegen sie nicht mehr respektieren. Eine Frau mit Stil und Niveau rennt so nicht auf der Straße, geschweige denn im Büro herum. Meine Schlussfolgerung ist, dass diese Art von Kleidern entweder ausschließlich für selbstdarstellungssüchtige It-Girls à la Kim Kardashian sind oder für Red-Carpet-Auftritte von Hollywood-Schauspielerinnen. Also neumodische gesellschaftliche Erscheinungen, zu denen dann dieses neumodisch fragwürdige Kleidungsstück passt.

Da Mode ja vielfältig ist, gibt es zu halbnackt auch das komplette Gegenteil: völlige Verhüllung bis hin zur unförmigen Entstellung des weiblichen Körpers. Ob das Vorbild hierfür die Burka war? Es fehlt eigentlich nur noch das Kopftuch. Keine Spur mehr von Weiblichkeit, geschweige denn Eleganz. 

 

        

beide Bilder: © VOGUE Februar 2017

 

Überbreite Schultern und ein mintgrüner Sack, für teuer Geld. Was wollen mir diese Looks sagen? „Ich bin Boxerin und hau dich um“ oder „Ich habe mein altes Campingzelt recycelt“? Welche Frau zieht so was an und fühlt sich darin wohl? Ich weiß es nicht!

 

Zu allem Übel auch noch unpraktisch.

Vor allem stellt sich mir die Frage bei diesen übergroßen Hemden und Shirts: „Wie bewegt man sich darin?“ Aktuell sind ja über-über-lange Ärmel in Mode, mit denen man dann alltägliche Dinge wie essen, trinken und Taschen tragen soll. Mir ist unklar, wie das geht, ohne dabei unbeholfen und lächerlich auszusehen.

 

Bild: © VOGUE Februar 2017

 

Dieses Shirt mit überlangen Ärmeln erinnert eher an eine Zwangsjacke in der Psychiatrie oder an den missglückten Erstversuch einer Hobbyschneiderin. Vielleicht erklären sich die hohen Preise schlicht durch den erhöhten Stoffverbrauch?

Über Valentino sagte man immer „Er liebt die Frauen“, weil seine Mode der weiblichen Figur schmeichelte. Was haben sich die Designer gedacht, als sie beschlossen, Frauen in diese stoffüberladenen Sachen zu stecken, und sie eher wie ein Marshmallow-Männchen aussehen zu lassen?! Wahrscheinlich haben sie sich überhaupt nichts dabei gedacht und die einzige Intension war: Hauptsache mal ganz anders als jemals zuvor.

 

Bild: © VOGUE Februar 2017

 

Weiche, fließende Stoffe und feminine Schnitte umspielten den Körper einer Frau und machten aus ihr eine elegante Dame. Heutzutage scheint sich die Mode mehr darum zu drehen, dass man auffällt und zwar egal wie. Entweder besonders unförmig, besonders teuer, besonders absurd... aber nicht jede ist ein Streetstyle-Star oder Mode-Bloggerin, deren einzige Aufgabe es ist, sich morgens anzuziehen. Manche Frauen brauchen nun mal Kleidung, mit der sie auf die Arbeit gehen können. Und nicht Jede bekommt die Sachen auch noch geschenkt, damit sie sich damit ablichten lässt und Werbung dafür macht, sondern muss sie aus eigener Tasche bezahlen.

 

          

beide Bilder: © VOGUE Februar 2017

 

Früher war im Durchschnitt das teuerste ein Pelzmantel gefolgt von Abendkleidern. Heutzutage kann ALLES so teuer sein wie ein Kleinwagen. Jacken, Mäntel, Hosen und Kleider, egal, Hauptsache es bedient den Wunsch nach Exklusivität für die Reichen und Superreichen, die sonst nicht wissen, wohin mit ihrem Geld. Denn wer so viel Geld hat, dass er sich alles kaufen kann, findet die Befriedigung nur im Besitz besonders wertvoller Dinge. Eine Spirale, die immer weiter nach oben geht. Und die Hersteller von Luxusartikeln bedienen das nur allzu gern. 

 

Bild: © VOGUE Februar 2017

 

Letztendlich ist ein Blouson auch nur eine Jacke und eine Clutch auch nur eine Tasche; aber es klingt edler. Und was edel klingt, vermittelt der Trägerin das Gefühl, es sei auch edel und wertet sie somit auf. Mit dem Motto „gut verpackt in ein chices Wort wird das Teil etwas Besseres“, tauchen bei gesellschaftlichen Anlässen oder im Büro plötzlich Kleidungsstücke auf, die unsere Omas und Mütter niiiemals hier oder dort getragen hätten. Man kann das natürlich toll finden, dass es weniger Kleidervorschriften gibt. Man kann sich aber auch mal fragen, ob ein ungeschriebenes Kleidergesetz nicht seinen Grund hatte. Wenn ich sehe, wie heutzutage junge Mädchen in die Schule, zur Uni oder ins Büro gehen, sollte man vielleicht doch noch mal den Unterschied erklären, zwischen „ich gehe auf die Arbeit“ und „ich gehe zum Baggersee“. 

Es scheint generell für einige Personen schwierig zu sein, die richtige Klamotte zu dem passenden Anlass auszuwählen. Sowohl bei der Oscar-Verleihung als auch bei unserem Pendant dem Deutschen Filmpreis, standen schon Leute auf der Bühne, die aussahen wie gerade vom Sofa aufgestanden. Gerade von den deutschen Frauen bin ich immer mehr enttäuscht, wie diese sich heutzutage zu gesellschaftlichen oder öffentlichen Anlässen kleiden. Die vermeintlich schlechten Gagen deutscher Schauspieler können nicht als Ausrede gelten, denn guter Geschmack hat nichts mit Geld zu tun.

 

          

beide Bilder: © VOGUE Februar 2017

 

In etwas, was so ähnlich aussieht wie dieser Overall links, habe ich kürzlich mein Schlafzimmer gestrichen. Zu welchem Anlass, außer der Renovierung der eigenen vier Wände, dient dieses „Ding“? Ein Arbeitsanzug für schlappe 2000 €, das ist doch mal was! Und wären Rock und Jacke rechts nicht von Prada, würde man es natürlicherweise als Geschmacksverirrung bezeichnen. Diese Kleidungsstücke wären so früher niemals in einem Hochglanz-Modemagazin zu sehen gewesen.

 

FAZIT

Die Mode sollte dringend zu einer anständigen Verhältnismäßigkeit zurückfinden und zwar in Stil und Preis! Denn sie verliert sich immer mehr in Absurdität und Geschmacklosigkeit. Selbstverliebt genügt sie sich selbst und vergisst, dass sie etwas „tun soll“ für die Frauen.

Daniele Ludewig

 

 

Über Belle Sophie

Auf Belle Sophie geht es um Ästhetik.
Sie umgibt uns und begegnet uns jeden Tag in verschiedenster Form. Nicht immer ist das Empfinden für Ästhetik dasselbe. Meinungen gibt es unzählige. Auf Belle Sophie wird eine dieser Meinungen vermittelt.

Aus Liebe zum "ß", weil es einfacher schöner aussieht, taucht es in den Texten ab Oktober 2018 wieder auf. 


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