PELZ

Ja ? Nein? Vielleicht? 

 

  

Haben Sie sich mal gefragt, wie Pelzjacken, -mützen und dergleichen hergestellt werden? Und wieso echter Pelz, der früher ein Luxusartikel war, heutzutage zu erschwinglichen Preisen verkauft werden kann? 

Natürlich ist echter Pelz angenehmer zu tragen, edler und häufig auch wärmer als Kunstpelz, aber welche Leiden der Tiere nehmen wir dafür in Kauf?! Lange Zeit dachte ich: Wenn ich Kaninchen trage, ist das okay, denn es wird ja auch gegessen und somit wird das Tier komplett verwertet. Ich fand das ökonomisch. Aber so funktioniert das leider nicht. Einzig der Neandertaler kann für sich in Anspruch nehmen, das Tier gegessen zu haben und das Fell als Winterumhang und Decke genutzt zu haben und somit nur nach Bedarf und ohne Fashionanspruch oder Profitgier gehandelt zu haben. 

Derzeit ist der Pelzumsatz der Modebranche auf einem Rekordniveau. Laut dem Weltverband der Pelzhändler IFTF (= International Fur Trade Federation) ist der Umsatz in den letzten 10 Jahren um 70% gestiegen. Selten hat man soviel Pelz gesehen wie im Moment: Kragen, Kapuzen, Manschetten an Mänteln, Stiefel und natürlich die Bommeln an der Mütze und auch Fell-Accessoires. Vor ein paar Tagen habe ich sogar die seit einer Weile angesagten Schlüsselanhängerbommeln an der Tankstelle in allen Knallfarben in pink, gelb und kobaltblau gesehen für 5,90 €. Und das war Echtpelz, das fühlte ich sofort! Das war so unglaublich weich und angenehm. Wie geht so was zu diesem Preis?! Die Kunstbommel – auch super kuschelig! –, die ich mal in der Kurzwarenabteilung kaufte, kostete knapp 9,- €. 

Pelz ist für jedermann erschwinglich geworden, was allerdings zu Lasten der Tiere geht. Echtpelz aus chinesischen Tierfabriken ist billiger als guter, qualitativ hochwertiger Kunstpelz. China ist der größte Pelzproduzent der Welt. Laut Greenpeace sterben dort jährlich circa 70 Millionen Nerze, Füchse, Marderhunde, aber auch Hunde und Katzen für die Pelzproduktion. Tierschutz ist im Pelzgeschäft ein Fremdwort: Die Tiere werden in schrecklichen, nicht artgerechten Zuständen, in winzigen Käfigen gehalten und von Menschen ohne Skrupel oder Mitgefühl gequält. Leider muss man das so direkt sagen! Sehen will diese Zustände keiner, aber man nimmt es stillschweigend hin, wenn man Echtpelz kauft. Genauso wie bei der Fleischproduktion in der Massentierhaltung, mit Begründung des Bedarfs dieser Gesellschaft und der Gewinngier der Lobbyisten, wird nichts dagegen unternommen. 

Jetzt könnte man als Konsument ja hergehen und die Produkte, die unter diesen Umständen hergestellt werden, einfach nicht mehr kaufen. Leider ist es nicht „einfach“, seinen moralischen Ansprüchen nachzugehen! Denn um dem Kaufwiderstand der Kunden entgegen zu wirken, wird man belogen und getäuscht. Die Stiftung Warentest stellte fest, dass auch als Kunstpelz deklarierte Kleidungsstücke Echtpelz enthalten und auf den Etiketten gelogen wird. Wie bei der bewusst verschleiernden Inhaltsbeschriftung von Lebensmittel wird es auch hier den Konsumenten erschwert, sich richtig zu informieren und dementsprechend bestimmte Produkte nicht zu kaufen.

 

Karl Lagerfeld präsentiert für Fendi (= berühmtestes Pelzhaus der Welt) „Haute Fourrure“ für Herbst und Winter. Quelle: faz.net

 

Pelz war ursprünglich ein edles und teures Kleidungsstück, welches nur der Oberschicht und Besserverdienenden vorbehalten war. Bis ins späte 17. Jhd. gab es in Europa sogar eine Kleiderordnung: Manche Pelzarten durften nur von bestimmten Personengruppen und Ständen getragen werden. Für mich hatte Pelz immer irgendwie was mit russischen Millionärinnen zu tun. In Russland ist es obligatorisch Echtpelz zu tragen, schon allein wegen der niedrigen Temperaturen dort. Auch die Männer tragen hier Pelz, was ich zwar etwas befremdlich finde, aber das ist dort eben so. Mittlerweile schließen sich die Chinesinnen dieser Pelzliebe an und haben zusammen mit Russland die höchsten Absatzzahlen beim Pelzumsatz. 

In den 1990-er Jahren war das Tragen von Echtpelz verpönt und noch heute werden Frauen nach den Modeschauen in New York von Protestantinnen vor den Eingängen beschimpft oder auch mit Farbe beworfen. So auch in dem Film „Sex and the City“ zu sehen, was Samantha noch gefiel, weil es typisch für New York sei. 

Pelzmäntel zu tragen ist und bleibt dekadent, opulent und ein Zeichen von Reichtum. Aber wenn wir von Pelzmänteln reden, meinen wir eigentlich immer Nerz, Zobel oder Fuchs. Lammfell wird dabei völlig ausgeklammert. Ist aber auch Echtpelz! Auch ich besitze einen Lammfellmantel. Der war ziemlich teuer, in einem Pelzhaus gekauft und wärmt mich seit Jahren durch den Winter. „Einen solchen Mantel hat man für’s Leben“, sagte meine Mutter mir mal, „und da geht man pfleglich mit um, damit er lange hält“. Das ist keine Saisonware und kein Wegwerfartikel! Zudem tragen wir ja auch Lederschuhe und -jacken – wie ist das zu sehen? 

Fakt ist: Echte Materialien wie Pelz und Leder halten warm und sind gleichzeitig atmungsaktiv, währenddessen man in Kunstfasern häufig schwitzt. Besonders gut merkt man das bei Schuhen aus Kunstleder, da bekommt man Schwitzfüße drin, was in Lederschuhen nun mal nicht passiert. Künstliche Materialien laden sich zusätzlich noch auf und man bekommt ab und zu mal Eine „gewischt“. Bei Decken hört man das sogar, wenn es dann knistert. 

Ehrlicher Weise muss ich also zugeben, dass sich echte Materialien und somit eben auch Echtpelz (meistens) deutlich besser anfühlen als Kunstpelz. Es gibt auch gute Kunstpelze, aber eben nicht bei Zara, H&M oder C&A und eben auch nicht für kleines Geld. Allerdings sollte sich jeder mal fragen, ob und in welcher Menge er Pelzartikel kaufen und tragen will. Hat man zum Beispiel einen Pelz von Oma oder Mutter vererbt bekommen, dann finde ich es in Ordnung ihn zu tragen. Denn das Tier ist jetzt bereits gestorben, und wenn er solange gehalten hat, ist man ja offensichtlich pfleglich damit umgegangen und so sollte man das wertschätzen, indem man ihn trägt und nicht wegwirft. Aber heutzutage noch Echtpelz wie Zobel, Nerz oder auch Kaninchen zu kaufen, sollte gut überlegt sein und vielleicht sollte nicht jeder Fashionartikel wie Schlüssel- oder Taschenanhänger unbedingt echt sein.

Würde man die Tiere artgerechter halten und dadurch den Echtpelz teurer machen, so würde sich dieser dekadente Überfluss an Pelzartikeln von alleine lösen. Dann hätte dieses edle Material wieder eine Wertigkeit, die dem entsprechen würde. Man würde wieder wertschätzender mit dem Material und dem Tier umgehen. Moralisch wäre es dann besser zu rechtfertigen, denn drauf verzichten möchte ich nicht. Echtmaterialien sind vom Tragen her häufig deutlich angenehmer! 

Daniele Ludewig

 

Echter Pelz hat eben auch immer etwas Erotisches. Nackt in Kunstpelz eingehüllt zu sein, ist nicht dasselbe. Bildquelle: privat

 

Über Belle Sophie

Auf Belle Sophie geht es um Ästhetik.
Sie umgibt uns und begegnet uns jeden Tag in verschiedenster Form. Nicht immer ist das Empfinden für Ästhetik dasselbe. Meinungen gibt es unzählige. Auf Belle Sophie wird eine dieser Meinungen vermittelt.

Aus Liebe zum "ß", weil es einfacher schöner aussieht, taucht es in den Texten ab Oktober 2018 wieder auf. 


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