10. September 2016

Kinder ohne Väter

Alleinerziehende Mütter und andere neue Familienformen 

 

 

Im ersten Teil „Alleinerziehende Mütter und Baby ohne Mann“ ging es ja primär um Frauen, die Kinder bekommen und diese ohne männliche Hilfe großziehen. Das Resultat davon ist aber, dass diese Kinder keinen Vater haben. Und da stellt sich mir die Frage, ob das so gut ist?!  

 

Natürlich ist nicht jeder Mann ein guter Vater, und natürlich hat auch nicht jede Mutter Einfluss darauf, ob der Mann sich an der Kindererziehung beteiligt. Aber es von vornherein auszuschließen vermittelt den Eindruck, dass es sowieso eher unbedeutend für die Entwicklung eines Kindes sei. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dem ist nicht so! Denn ein Kind wird nun mal "aus zwei Teilen gemacht“ und sollte auch das Recht haben, im Idealfall diese zwei Teile um sich zu haben. 

Denn zwei Menschen, die ein Kind großziehen, bedeutet eben auch zwei Charaktere und eventuell unterschiedliche Wertvorstellungen oder Umgangsformen, die Einfluss nehmen auf die Entwicklung und mit denen sich das Kind auseinandersetzen und an denen es sich orientieren kann.

 

In unserem modernen und liberalen Zeitalter wird der traditionelle Entwurf des Familienlebens „Vater-Mutter-Kind“ auch durch die Möglichkeit der Adoption oder Lebensgemeinschaftsbildung von homosexuellen Paaren in Frage gestellt. Aber was hat das für psychische Folgen für das Kind und was empfindet es dabei? Die betroffenen Paare sind der Meinung, dass das problemlos sei, Hauptsache man liebe das Kind. Meiner Meinung nach reicht das nicht aus. Wer Verantwortung für ein heranwachsenden Menschen übernehmen will, muss auch fähig sein, nicht nur seinen eigenen Bedürfnissen nachzugehen – nämlich, dass er oder sie für sein Lebensglück ein Kind möchte - sondern sich auch mit der Frage auseinandersetzen: Was bedeutet das für das Kind in dieser Gesellschaft?! 

 

Wie wichtig sind denn eigentlich ein Vater und eine Mutter für das Kind? Die Natur hat das so eingerichtet, dass beide unterschiedliche Fähigkeiten besitzen, die sich gegenseitig ergänzen. Yin und Yang, das Männliche und das Weibliche, im Einklang führt zur Harmonie. Natürlich kann man jetzt sagen: wie altmodisch und antiquiert. Man könnte aber auch mal fragen: Wieso ist plötzlich alles Altbewährte verpönt, und entfernen wir uns nicht immer mehr von dem, was uns ausmacht?

 

Ein kleines Kind, das die Vater-Figur in seinem Leben nicht kennt, wird sie erst mal auch nicht vermissen. Erst der Heranwachsende, der sich mit sich selbst und anderen auseinandersetzt, wird möglicherweise das Fehlen des „anderen Teils“ in seinem Leben bemerken. Und egal ob homosexuelles Paar, künstliche Befruchtung, verlassene Mutter oder gewollt alleinerziehend, es wäre gut, wenn die Eltern dann Antworten auf die wie auch immer gearteten Fragen des Kindes haben. 

 

Dr. phil. Peter G. Kühn hat sich in der Sendung „Ich mach mir ein Kind“ (VOX) sinngemäß wie folgt ausgedrückt: „Es ist wichtig zu wissen, wo die eigenen Wurzeln sind .... Nur wenn man einen festen Standpunkt hat und weiß, wo man steht, kann man sich weit aus’m Fenster lehnen. Das ist die Basis, auf der man steht. Und wenn man das Gefühl hat, da ist eine Unsicherheit, da ist was schwammig, da ist vielleicht ein Loch oder irgendwas ... das macht den Menschen psychisch eher unsicher.“

 

 

Was auch ganz modern ist und wiedermal aus USAmerika zu uns rübergeschwappt ist, ist Co-Parenting. Da gibt es Online-Portale (z.B. www.familyship.de), wo Menschen zueinanderfinden können, die eine Familie haben wollen. Ich spreche bewusst nicht von „gründen“. Denn hier geht es nicht darum, einen Lebenspartner zu finden, sondern darum, einen Vater oder eine Mutter für sein Wunschkind zu finden. Höflich ausgedrückt: Zwei Menschen vereinbaren auf freundschaftlicher Basis eine Familie zu sein. Bespiel: Eine Frau will sich künstlich befruchten lassen und sucht per Internet oder auch im Freundeskreis einen Mann, der auch ein Kind haben möchte. Man vereinbart, für das Kind da zu sein und sich um es zu kümmern. Die Eltern sind aber kein Lebens- oder Liebespaar oder irgendwie auf dieser Gefühlsebene miteinander verbunden. Das nennt sich „alternative Lebensform“ und ist in meinen Augen Vater-Mutter-Kind „spielen“. Ob das vertraglich irgendwie festgelegt wird, und wie das rechtlich im Falle vielleicht lebenswichtiger Entscheidungen für das Kind aussieht, ist für mich ein großes Fragezeichen! 

 

Das „Für“ und „Wider“ einer solchen Familienform ist psychologisch doch eher fragwürdig. Das heranwachsende Kind, welches seine Persönlichkeit erst noch entwickeln muss, bekommt weder die Liebe und Zuneigung zwischen Mann und Frau vorgelebt, noch eventuelle zwischenmenschliche Auseinandersetzungen. Wie soll ein derart leidenschaftsloses Zusammenleben die sozialen Fähigkeiten eines Kindes fördern. Die uns ureigenen menschlichen Fähigkeiten werden vernachlässigt und verkümmern womöglich. Man sieht ja jetzt schon, was allein die Technik und die Medien mit dem sozialen Verhalten der Menschen machen. Geredet wird nicht mehr von Angesicht zu Angesicht, sondern über soziale Medien. Teilweise sitzen Menschen zusammen an einem Tisch und unterhalten sich gar nicht, denn jeder glotzt auf sein Handy. Also stelle ich die Frage in den Raum: „Wenn man quasi einen kopfgesteuerten Vertrag mit einem anderen Menschen ohne tiefe persönliche Bindung schließt, ohne Liebe und ohne emotionale Gefühle zueinander, driften wir dann nicht ab in eine Gesellschaft, die irgendwann auch zu solchen Emotionen gar nicht mehr fähig sein wird?!“ Ich für mich habe beschlossen, dass mir das zu nüchtern und zu sehr an der Biologie gedreht ist. Ich bin da mehr old-school und finde diese Familienerfindung fast schon menschenunwürdig.

 

Was macht das denn emotional mit uns, wenn wir Familienplanung im Reagenzglas planen können, wenn wir nicht mehr als klassische Familie leben wollen, wenn wir einen Elternteil einfach wegrationalisieren und damit einen natürlichen Prozess verändern? Eine Auseinandersetzung mit der Gesellschaft, in der wir leben möchten, und welche Werte diese vertreten soll, ist hier unabdingbar. Diese ethisch-moralische Diskussion, sollte zumindest jeder mal mit sich selbst führen!

 

Daniele Ludewig

 

Über Belle Sophie

Auf Belle Sophie geht es um Ästhetik.
Sie umgibt uns und begegnet uns jeden Tag in verschiedenster Form. Nicht immer ist das Empfinden für Ästhetik dasselbe. Meinungen gibt es unzählige. Auf Belle Sophie wird eine dieser Meinungen vermittelt.

Aus Liebe zum "ß", weil es einfacher schöner aussieht, taucht es in den Texten ab Oktober 2018 wieder auf. 


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