30. Mai 2016

Cellulite ist eine Frage des Lichts . . . 

 

 

. . . je nachdem wie’s drauf scheint, ist sie mehr oder weniger sichtbar. In gedämpftem Kerzenlicht kommen eher die Kurven einer Frau und nicht deren Dellen zur Geltung. Angeblich gibt’s den cellulitefreien Körper, wenn man Sport treibt und sich „richtig“ ernährt. Was auch immer „richtig“ sein soll?!

 

*  Man soll Kokosnußwasser trinken und Kokosnußöl zum Kochen verwenden, das unterstützt angeblich den Fettstoffwechsel.

*  Für die Unterstützung des Muskelaufbaus soll man Eiweißshakes trinken.

*  Ausreichend Schlaf! Damit der Körper regenerieren kann. Außerdem entgiftet er nachts. 

*  Unabdingbar: ein Entsafter. Vitamine, Vitamine . . . in allen nur erdenklichen Arten von Saft.

*  Brokkoli und Grünkohl machen angeblich schlanke Beine, weil sie das Östrogen, und damit den Verursacher der Cellulite, reduzieren sollen.

*  Das A&O ist wohl Sport: Muskel- und Krafttraining, sowie angeblicher Alleskönner Yoga.  

*  Verzicht auf Getreide (also keine Nudeln und kein Baguette mehr zum Aufwischen der leckeren Salatsoße), kein Zucker (schwierig heutzutage, wo doch Zucker gerade überall in viel zu großen Mengen drinnen zu sein scheint), kein Alkohol (auch das für den ein oder anderen schon problematisch).

 

Klar kann man einen Wahnsinnskörper haben, aber zu welchem Preis? Was man da alles machen muß, oder was man da alles nicht mehr essen darf. Die Lebensqualität hinter die Oberflächenbeschaffenheit eines Popos zu stellen, scheint mir fragwürdig.

Ich hab als Kind und Jugendliche sehr viel Sport gemacht und hatte trotzdem Cellulite! Gesund hab ich auch gegessen. Zuhause wurde Wert gelegt auf frisch Gekochtes. Da war nix mit Fertigprodukt und damals war auch nicht so viel Chemie im Essen wie heute.  Also was sagt uns das? Wahrscheinlich, dass es Frauen und Mädchen gibt, die dafür eine Veranlagung haben. Oder war es doch das fehlende Kokoswasser?! Diese Ernährungsmode hat’s damals einfach noch gegeben. Und vor allem: Wieviel Kokoswasser und Brokkoli muß man eigentlich zu sich nehmen, damit es wirkt ?! 

Als ich 20 Jahre alt war, hatte ich einen Freund. Irgendwann sagte dieser zu mir: „Du hast ja Orangenhaut!“ Ich: „Was?“ Bis zu diesem Zeitpunkt wußte ich gar nicht, was das ist. Ich war in einer Jungsclique, die sich mit sowas nicht beschäftigte und schon gar nicht, mich danach bewertete. Ich war verwirrt und wußte nicht, was ich denn jetzt mit dieser Info anfangen sollte und sagte gar nichts dazu. Was mich daran am Meisten störte – und noch heute im Nachhinein ärgert – war, dass er es zu mir sagt, nachdem wir miteinander geschlafen hatten. So etwas will frau doch anschließend nicht hören. Aber Idioten pflastern bis heute meinen Weg - leider!

Zum heutigen Zeitpunkt, als 40-jährige erwachsene Frau, würde ich anders reagieren als damals. Wären wir bei ihm, würde ich ganz gelassen aufstehen, mich anziehen, meine Handtasche nehmen und gehen. Vorher noch ein Kurzes: „Du bist unter meiner Würde, du oberflächlicher Depp.“ Und dann wie eine Königin seine Wohnung verlassen. Wäre er bei mir, bekäme er ein trockenes: “Sieh mal, da vorne hat der Maurer das Loch gelassen. Raus hier!“ Eventuell dann noch ein durchs Treppenhaus Gerufenes: „Ich habe IHN nur vorgetäuscht.“ Tür zu! Fertig!

Solche Typen braucht keine Frau! Am allerliebsten sind mir ja auch die Männer, die selber aussehen wie Nachtschattengewächse, aber an Frauen hohe optische Ansprüche stellen. Seit geraumer Zeit fällt mir immer mehr auf, wie kritisch Männer über Frauen reden, weil sie sich im Gegensatz zu früher, nicht mehr scheuen, ihrem Mundwerk freien Lauf zu lassen. So etwas sagt eher etwas über die Oberflächlichkeit (und die schlechten Manieren) des Mannes aus, und sollte uns Frauen in keiner Hinsicht verunsichern oder in Zugzwang bringen, sofort ins Sportstudio zu rennen oder literweise Kokoswasser in uns reinzuschütten. Außerdem was nützt es, wenn man einen Body wie ein Model hat – wobei ich die häufig eh zu dünn finde! – und ist aber dumm wie Brot und oberflächlich wie Teflon. Das gilt gleichermaßen für Männer und für Frauen! Was will ich mit’nem Typen, der super aussieht, aber vom Verhalten her ein kleiner Bubi ist und nicht bis drei Zählen kann. Und genauso sollten auch Männer über Frauen denken. Ein Mann der Angst hat vor einer Frau mit Charakter, der soll sowieso zum Teufel gehen! „Lieber eine Frau mit Dellen, als überhaupt kein Profil“ fällt mir in diesem Zusammenhang ein. 

Aber es besteht Hoffnung: Ich sehe häufiger gut aussehende Männer mit Frauen, die nicht aussehen wie ein Victoria’s-Secret-Model und die mehr oder weniger Cellulite haben. Also scheint es Männer zu geben, die ihre Frauen nach anderen, entscheidenderen Kriterien auswählen. 

Und das ist „richtig“ so!

Helena von Rehberg

Über Belle Sophie

Auf Belle Sophie geht es um Ästhetik.
Sie umgibt uns und begegnet uns jeden Tag in verschiedenster Form. Nicht immer ist das Empfinden für Ästhetik dasselbe. Meinungen gibt es unzählige. Auf Belle Sophie wird eine dieser Meinungen vermittelt.

Aus Liebe zum "ß", weil es einfacher schöner aussieht, taucht es in den Texten ab Oktober 2018 wieder auf. 


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