10. Januar 2017

Ein Schrank voller Klamotten

und nichts anzuziehen

 

© shutterstock

 

Kennen Sie das auch: Man schaut morgens in den Kleiderschrank und hat keine Ahnung, was man anziehen soll? Im Sommer ist es ja noch relativ einfach: ein hübsches Kleidchen, ein paar Sandalen und eine coole Sonnenbrille – fertig! In Herbst und Winter hingegen ist mir in erster Linie nach warm und gemütlich. Aber wenn ich dann Pulli und bequeme Jeans anziehe, find ich es furchtbar langweilig. Dazu noch eine dicke Daunenjacke plus Winterstiefel und fertig ist der Marshmallow-Frau. Jetzt sieht man nicht nur unförmig aus, sondern kann sich auch nicht mehr richtig bewegen.

Aber irgendwie greife ich doch immer wieder Jeans und Pulli! Aktuell erlaubt zwar das sogenannte "Down Dressing" (= nicht auf-, sondern abbrezeln) sogar eine Jogginghose am helllichten Tag und sogar im Büro. Ich fühle mich damit allerdings nicht richtig wohl. Es sieht irgendwie aus, als hätte man sich als Frau aufgegeben oder war zu faul, sich ordentlich anzuziehen. Und nur weil man den schlichten Kapuzenpulli jetzt modern „Hoodie“ nennt, und ein paar Models und It-Girls in allen Zeitschriften damit abbildet, ist und bleibt es ein Schlabberlook.

Normalerweise geht man in einem solchen Aufzug allenfalls kurz mit dem Hund Gassi oder zum Bäcker um die Ecke, um die Sonntagsbrötchen zu holen. Manche können es sich finanziell leisten, diese Kleidung beim Designer zu kaufen. Da ist dann der Kapuzenpulli vielleicht von Louis Vuitton, die Funktionsjacke von Balenciaga und die Jogginghose von Chanel. Aber ob das eine Rechtfertigung dafür ist, den Schlabberlook zu allen Tageszeiten und Gelegenheiten zu tragen, bleibt fraglich!

Zudem ist es Fluch und Segen zu gleich! Es ist zwar gemütlich, sieht lässig aus (wenn man es richtig kombiniert!) und geht schnell beim Anziehen, macht aber eben das Erscheinungsbild unförmig, unisexuell und laut eines Freundes von mir „reduziert es die Wirkung als Frau“. Allenfalls an Teenagern und an jungen Frauen kann es niedlich und nach “ich-bin-noch-auf-der-Suche-nach-meiner-Weiblichkeit“ aussehen. Spätestens bei Frauen ab Mitte 30 wirkt es meistens nachlässig und wie nicht erwachsen geworden.

Also was ist die Alternative?

Grundsätzlich sollte eine gewisse Ordnung im Kleiderschrank herrschen. Nur wer sieht, was er hat, kann es auch anziehen und entsprechend kombinieren. Und siehe da: Plötzlich klappt es dann auch mit dem Ankleiden im Winter wieder. Denn die sommerlich-bunte Seidenbluse kann mit einer dicken Strickjacke getragen und die langweilige Jeans mit einem auffälligen Gürtel aufgepeppt werden. Dann ist es nicht mehr langweilig, sondern bringt Farbe in den Winter und ist gleichzeitig warm. Strickjacken besitze ich en masse – die sind unglaublich praktisch!

Um also auf alle Bestände im Kleiderschrank zugreifen zu können, macht es Sinn, ihn immer mal wieder umzuschichten. Ich widme mich dieser Großveranstaltung einmal im Jahr zusammen mit dem Frühjahrsputz. Dann stapeln sich auf meinem Bett die Kleiderhaufen und es sieht aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Das hat aber den Vorteil, dass man sieht, was man hat – „was ich da schon alles wiedergefunden habe!“ – und dann eben auch mal wieder nach anderen Kleidungsstücken greift. Im Zuge dessen kann man dann auch gleich entsprechend der kommenden Saison umräumen.

Mein Traum ist ja ein Ankleidezimmer, in dem meine Sachen nach Warengruppe sortiert mit etwas Luft untereinander ordentlich aufgehängt sind wie in einer Designerboutique. Dann könnte ich auch viel besser sehen, was ich besitze! Letztlich bin ich auch zu der Erkenntnis gekommen, dass ich nämlich a) eigentlich alles habe, was es so an Kleidung gibt und gut sortiert bin und b) ich auch nicht alles neu haben muss, was nur ein bisschen von dem Schnitt abweicht, wie das, was ich bereits besitze, nur weil es jetzt einen neuen Namen hat wie „Hoodie“. Also: Nichts wegwerfen, sondern einfach alles aufheben und umschichten. Denn irgendwie kommt ja alles wieder!

Seit einem dreiviertel Jahr habe ich mir einen Kaufstopp auferlegt, und ich muss sagen, das bekommt sowohl meinem Konto als auch dem Platzmangel in meinem Kleiderschrank äußerst gut. Definitiv habe ich nämlich keinen Platz mehr! Eine alte Freundin sagte mal zu mir: „Eine Frau könne gar nicht zu viele Sachen haben, sondern nur ein logistisches Problem“. Demnach bräuchte ich also eine größere Wohnung mit besagtem Ankleidezimmer!

Daniele Ludewig

Über Belle Sophie

Auf Belle Sophie geht es um Ästhetik.
Sie umgibt uns und begegnet uns jeden Tag in verschiedenster Form. Nicht immer ist das Empfinden für Ästhetik dasselbe. Meinungen gibt es unzählige. Auf Belle Sophie wird eine dieser Meinungen vermittelt.

Aus Liebe zum "ß", weil es einfacher schöner aussieht, taucht es in den Texten ab Oktober 2018 wieder auf. 


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