22. März 2018

PERMOSERS MEISTERWERK

Bildhauerarbeiten am Dresdner Zwinger

 

Der Dresdner Zwinger gilt als eines der bedeutendsten Baudenkmale des Barock. Anders als in Baustilen modernerer Zeiten, ist der Stil des Barock geprägt von einer intensiven Symbiose aus Architektur, Skulptur und Malerei. Die Gebäude jener Epoche sind Gesamtkunstwerke, bei denen eine enge Zusammenarbeit zwischen allen am Bau Beteiligten unabdingbar war. Man könnte fast sagen, das Gebäude selbst ist eine Bauplastik.

Die Statuen und Schmuckelemente am Dresdner Zwinger stammen von dem Bildhauer Balthasar Permoser. Ehrlicher Weise muss man aber sagen, dass aufgrund des großen Umfangs solcher Bauprojekte, auch Schüler und Kollegen beteiligt waren, mitunter auch Nachfolger. Dennoch ist es einzig der Stil Permosers, der hier prägend ist.

 

Balthasar Permoser, gezeichnet von Moritz Bodenehr / Bild: © gemeinfrei

 

Balthasar Permoser (1651 – 1732) hat das Handwerk des Bildhauers in Salzburg und Wien erlernt und lebte lange in Italien. Der Stil seiner Arbeiten ist einer Verbindung aus deutscher und italienischer Barockskulptur. 1689 wurde er von Kurfürst Johann Georg III., dem Vater von „August dem Starken“, als Hofbildhauer nach Dresden berufen. Als sein bildhauerisches Hauptwerk gilt der plastische Schmuck am Dresdner Zwinger.

 

Jeder Blick ein Detail, jede Figur ein Sinnbild!

 

An der Vielfalt der unterschiedlichen Figuren und Statuen wird immer wieder klar, wie aufwendig und geistreich der Zwinger gestaltet wurde. Alle Fassaden und Bauteile sind reich mit Bildhauerarbeiten verziert. Jeder Pilaster ist mit floralen Ornamenten verziert, jeder Fensterbogen mit einem Schlussstein nach oben hin abgeschlossen und überall bekrönen Statuen die Dächer. Aber nichts von alledem wirkt „dazugestellt“, sondern aufeinander abgestimmt.

Die konstruktiven Bauteile und gestalterischen Elemente gehen ineinander über und verschmelzen. Die Differenzierung zwischen Gestalterischem und Funktionalem verschwimmt, zumal vor allem die Bauplastiken in ihrer Bewegtheit die Funktion des Bauteils wiederspiegeln, wie beispielsweise die „Satyrherme“ am Glockenspiel- und Wallpavillon.

 

Hermenpilaster am Glockenspiel- und Wallpavillon (Scheitelpavillons). / Bild: shutterstock.com
* Pilaster sind Wandpfeiler, die aus der Fassade hervortreten und statische, lastabtragende Funktion haben; teilweise können sie auch nur der senkrechten Gliederung der Fassade dienen. Als Herme werden hingegen speziell die Pfeiler bezeichnet, die mit Kopf und Schultern ausgestattet sind.

 

Die Pilaster* am Wallpavillon in Form von „Satyrhermen“* sind frei aus dem Stein heraus von Permoser selbst geschaffen worden, da war er bereits 65 Jahre alt. Wie viele der Figuren am Dresdner Zwinger stammt auch der „Satyr“ aus der griechischen Mythologie und ist ein dämonisches Mischwesen, ein „lüsterner Waldgeist“. Die Darstellung fast jeder Figur variiert in Bewegung, Gesichtsausdruck oder auch dem Beiwerk, wie hüftumspielenden Tüchern oder Wein- und Blätterranken. In ihrer Körperhaltung und Ausformung der Muskulatur sind sie so dargestellt, dass die Funktion des Bauteils verdeutlicht wird: nämlich die Lastabtragung.

 

Symbole und Allegorien

 

Zu dem Zeitpunkt als „August der Starke“ den Dresdner Zwinger in Auftrag gab, war er Kurfürst und Herzog von Sachsen, Erzmarschall des Heiligen Römischen Reiches, hatte das Amt des Reichsvikars ausgeübt, war Großfürst von Litauen und König von Polen. Dementsprechend flossen überall am Gebäude Symbole ein, die die Machtposition des Bauherrn demonstrieren und seinen Ruhm huldigen.

 

Rückseite „Französischer Pavillon“, Zugang zum Saal im Obergeschoß: Portal mit Bekrönung, Wappen mit den gekreuzten sächsischen Schwertern, Adler mit Königskrone. Die Pilasterkapitelle zwischen den Bogenfenstern sind mit reduziertem Laubwerk verziert. / Bild: shutterstock.com

 

Die Statuen auf den Dächern, in den Nischen der Wände und des Nymphenbades sind überwiegend Figuren aus der römischen und griechischen Mythologie, wie beispielsweise Minerva, Concordia, Amor und Psyche. Dazwischen taucht aber auch der Löwe auf, das sächsische Wappentier oder der Adler als Zeichen des Königtums.

Mir gefällt ja zum Beispiel die Darstellung von „August dem Starken“ als „Paris“, der ja in der griechischen Mythologie die schöne Helena entführte und damit den Trojanischen Krieg auslöste. Neben „Paris“ steht „Venus“, die Göttin der Liebe und Schönheit. Wenn man nun bedenkt, dass August ein Frauenheld war und ihm unzählige Mätressen und mehr als 300 illegitime Kinder nachgesagt werden, finde ich das besonders geistreich und pikant. An der Fähigkeit zur übersteigerten Selbstdarstellung hat es August offensichtlich nicht gemangelt.

 

Figurendetail am Wallpavillon: v.l.n.r. Venus, Löwe, Paris, Fama mit Fanfare. // Bild: SchiDD/wikipedia

 

Insgesamt zählt die Zwingeranlage über 650 Statuen, Putten und Vasen. Der überwiegende Teil sind mittlerweile Kopien. Leider kann man das beim Blick auf die Bearbeitung an manchen Stellen erkennen. Die Originale wurden entweder im Krieg zerstört oder nachträglich zum Schutz woanders untergebracht. Besonders die noch erhaltenen Originale, die von Permoser selbst gefertigt wurden, sind vor Regen und Luftverschmutzung zu schützen.

„Die Kunst ist zwar nicht das Brot, wohl aber der Wein des Lebens.“

Johann Paul Friedrich Richter, dt. Schriftsteller

 

Daniele Ludewig

Nymphenfiguren oberhalb des Nymphenbades / Bild: Daniele Ludewig

 

Nymphe / Bild: Daniele Ludewig

 

Giebeldetail am Wallpavillon / Bild: Daniele Ludewig

 

Giebelfiguren am "Deutschen Pavillon", Putten mit polnischer Königskrone / Bild: Daniele Ludewig

 

Putte auf Balustrade, Terrasse "Porzellanpavillon" / Bild: Daniele Ludewig

 

Konsolenfigur "Faun" unter Arkadienfenster, Bogengalerie / Bild: Daniele Ludewig

 

Konsolenfigur "Faun" (Detail) unter Arkadienfenster, Bogengalerie / Bild: Daniele Ludewig

  

Über Belle Sophie

Auf Belle Sophie geht es um Ästhetik.
Sie umgibt uns und begegnet uns jeden Tag in verschiedenster Form. Nicht immer ist das Empfinden für Ästhetik dasselbe. Meinungen gibt es unzählige. Auf Belle Sophie wird eine dieser Meinungen vermittelt.

Aus Liebe zum "ß", weil es einfacher schöner aussieht, taucht es in den Texten ab Oktober 2018 wieder auf. 


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