17.09.2016

LEDERHOSEN und stramme Waderln auf der Wiesn!

Woher kommt eigentlich diese Traditionshose?

 

Bild: © shutterstock

 

Auf dem Münchner Oktoberfest tragen die Damen Dirndl und die Herren Lederhosen. Die meisten gehen bis zum Knie oder knapp darüber; lange Hosen sehe ich nur sehr selten. Der Münchner zeigt wohl gern seine strammen Waderln und weiß auch die passenden Strümpfe dazu zu tragen. Ich kenne keine andere Gegend wie die Oberbayrische, in der die Tracht auch außerhalb solcher Festivitäten, mit so viel Selbstverständlichkeit und Lässigkeit getragen wird. Ich persönlich finde es wunderbar, wenn Tradition und Ortsverbundenheit per Kleidungsstück noch so stolz gezeigt werden. Während wir Frauen mehrere Dirndl besitzen – ich übrigens auch :-) – und manche auch meinen, man muß jedes Jahr ein neues Dirndl zur Wiesn herzeigen, klärte mich mal ein Alteingesessener auf, dass „man eine Lederhose fürs Leben hat und diese von Jahr zu Jahr mit dem Tragen besser wird!“.

Mich hat also mal interessiert: Woher kommt eigentlich diese Traditionshose?

 

Die ursprüngliche Lederhose kommt aus dem alpenländischen Raum und war eine eng anliegende Kniebundhose, die im ausgehenden 18. Jhd. eine Arbeitshose war und somit überwiegend von Bauern getragen wurde. Diese bei der Landbevölkerung praktische Arbeitshose war dementsprechend schlicht gehalten und hatte keinerlei Verzierungen.

 

Im Laufe des 19. Jhd. wurde die lederne Arbeitshose immer mehr durch Loden (= grober, widerstandsfähiger Wollstoff) ersetzt und war Ende des Jahrhunderts fast vollständig verschwunden. Das Bedauern über dieses Verschwinden der „uralten“ Tracht, bewegte 1883 den Lehrer Josef Vogl und seine Stammtischfreunde zur Gründung des ersten bayrischen Trachtenvereins. Unterstützung für ihre bayrische Volkstracht erhielten die „Kniehösler“ – deren Hosen der Kirche zu kurz und damit als sittenwidrig erklärt wurden – von König Ludwig II. Bereits Ludwigs Vater, König Maximilian II., hatte 1853 eine Verordnung zur „Hebung des Nationalgefühls, insbesondere der Landestrachten“ erlassen, und so ließ auch Ludwig II. an alle Kreis- und Bezirksämter die Aufforderung ergehen, Vereine zur Erhaltung der Tracht zu gründen.

 

Somit begann der Wandel von der alpenländischen Arbeitshose zum festtäglichen Kleidungsstück des städtischen Bürgertums. Durch die Verzierung mit üppigen Ornamenten und vereinstypische Stilmerkmalen, stieg die ursprünglich einfache Lederhose zum persönlichen Ausdrucksmittel des Vereins, des Ortes oder des Mannes auf.

 

Mir gefällt’s! :-)

Daniele Ludewig

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Auf Belle Sophie geht es um Ästhetik.
Sie umgibt uns und begegnet uns jeden Tag in verschiedenster Form. Nicht immer ist das Empfinden für Ästhetik dasselbe. Meinungen gibt es unzählige. Auf Belle Sophie wird eine dieser Meinungen vermittelt.

Aus Liebe zum "ß", weil es einfacher schöner aussieht, taucht es in den Texten ab Oktober 2018 wieder auf. 


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