10. Januar 2018

„August der Starke“ - Lebemann des Barock

 

König August II. von Polen, um 1723 / Bild: © skd.museum

 

Redet man über Dresden und seine kunsthistorischen Gebäude, kommt man an Kurfürst „August dem Starken“ nicht vorbei. Der Landesherr Sachsens (*1670; † 1733) war der Förderer der Dresdner Baukunst schlechthin. Durch seine Leidenschaft zu Kunst und Kultur sammelte er Kunstschätze an, die heute noch in den Museen zu bestaunen sind, und prägte die Architektur der Stadt maßgeblich. Er machte Dresden zum sogenannten „Elbflorenz“, einer Barockmetropole, die damals wie heute weit über ihre Grenzen hinaus berühmt ist.

Friedrich August I. war von 1694 an Kurfürst und Herzog von Sachsen. Nach dem verfrühten Tod seines älteren Bruders und mangels Nachkommen, fiel die Thronfolge an den damals 24jährigen August. Als Herrscher des Fürstentums und Kurstaates Sachsen war er einer von damals neun Reichsfürsten, die den Römisch-Deutschen König wählen durften, der dann zum Kaiser gekrönt wurde. Ebenso hatte er als Kurfürst Sachsens obligatorisch (seit 1370 zugeteilt) auch das Amt des Erzmarschalls inne, womit er der militärische Stellvertreter des Kaisers war. Aber das alles war dem ehrgeizigen August nicht genug. Er wollte die Königswürde erlangen, was eine Rangerhöhung und somit eine größere politische Souveränität bedeutete! Gern wäre er selbst Kaiser des Römisch-Deutschen Reiches geworden.

Da traf es sich gut, dass das benachbarte Polen-Litauen, bestehend aus dem Königreich Polen und dem Großfürstentum Litauen, damals eine Wahlmonarchie war und der König von der Aristokratie in freien Wahlen gewählt wurde. Die Bedingung an die Bewerber des Thrones war aber, dass sie dem katholischen Glauben angehörten. Also konvertierte der evangelisch-lutherische August I. zum Katholizismus, was für die protestantischen Bürger Sachsens und seine Ehefrau Christiane Eberhardine ein schwerer Fauxpas war. 1697 wurde er dann als August II. König von Polen und Großfürst von Litauen. 

Mit seiner Ehefrau hatte er nur ein Kind, den Sohn Friedrich August II. Allerdings hatte er weitere uneheliche Nachkommen. August der Starke war ein Frauenheld und hatte unzählige Mätressen, von denen einige der Damen auch Kinder bekamen. Einer unbestätigten Schätzung zu Folge soll er über 300 Kinder gehabt haben. Man könnte also sagen, dass die überwiegende Bevölkerung Dresdens Nachkommen Augusts sind, zumindest fühlen sich viele Dresdner so!

 

Anna Constantia Reichsgräfin von Cosel, Portrait von 1705. / Bild: © gemeinfrei
Sie war eine der bekanntesten Mätressen von August dem Starken. Sie hatten drei Kinder zusammen.

 

Während der Regentschaft von August dem Starken entfaltete sich der Barock in Deutschland vollends. Das Wesen des Barock war die Repräsentation. Kirche und Herrscher demonstrierten durch opulente Bauwerke und dekadente Feste ihre absolute Macht. August gilt als einer der imposantesten Figuren jener Epoche. Die bis zu 60 Feste im Jahr, darunter Maskenbälle, Jahrmärkte und Hetzjagden, kosteten die Staatskasse Unsummen.

Seine opulente Darstellung der höfischen Pracht und seiner eigenen Person als absolutistischer Herrscher waren dem „Sonnenkönig“ Ludwig VIX. von Frankreich nachgeahmt. Damals gab Versailles den Ton in Europa in kulturellen und gesellschaftlichen Dingen an und die Herrscherhäuser eiferten dem nach. Auf seiner „Kavalierstour“, der obligatorischen Bildungsreise für die Söhne des europäischen Adels, hatte der damals knapp 20jährige August die Paläste und Höfe in Spanien, England, Mailand und Paris, und somit auch Versailles, gesehen und kennengelernt. 

Es ist Augusts ehrgeizigem Bestreben nach Machtdemonstration, aber auch seiner Bau- und Sammelleidenschaft zu verdanken, dass der Kurstaat Sachsen unter seiner Regentschaft eine enorme wirtschaftliche und kulturelle Blüte erreichte, die vor allem Dresden bis heute prägt. Die Kunstbestände Dresdens gehören bis heute zu den reichsten und größten Sammlungen Europas. Wenn es also eine Zeitrechnung „vor“ und „nach Christi Geburt“ gibt, so kann man sagen, dass es in Sachsen eine Zeitrechnung „vor“ und „nach August dem Starken“ gibt. 

Seinen Hofbaumeister M.D. Pöppelmann schickte er damals extra auf eine Reise durch Europa – von Prag über Rom und natürlich Versailles – um sich mit der Barockarchitektur und den Prachtbauten jener Zeit vertraut zu machen. Das sogenannte Augusteische Zeitalter, das auch die Regentschaft seines Sohnes Friedrich August II. (als polnischer König dann August III.) mit einbezieht, hat einige der bedeutendsten Bauwerke der Stadt Dresden hervorgebracht:

 

Aus der Zeit Friedrich August I. z.B.:

- Taschenbergpalais   (1705 - 1708)

- Zwingerbau   (1709 – 1728)

- Japanisches Palais   (Erstbau 1715 / Erweiterung + Umbau 1727 - 1733)

- Residenzschloß   (Erstbau um 1400 / barocker Umbau 1717 - 1719)

- Schloss Pillnitz   (1720 – 1723)

- Johanneum   (Erstbau 1586 – 1590 / barocker Umbau 1722 – 1730)

- Schloss Moritzburg   (Erstbau 1542 – 1546 / barocker Umbau 1723 - 1733)

- Frauenkirche   (1726 – 1743)

 

Aus der Zeit des Sohnes Friedrich August II. z.B.:

- Hofkirche   (1739 – 1755)

- Coselpalais   (1745 – 1746)

- Gewandhaus   (1768 – 1770)

 

Viele der historischen Gebäude wurden im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. Seit dem Wiederaufbau, und vor allem nach der Wiedervereinigung, sind sie Stück für Stück wieder aufgebaut und renoviert worden.

Dresden galt einst als schönste Stadt Deutschlands. Sie ist als architektonisches Gesamtkunstwerk zu betrachten, die durch die Vielzahl an kunsthistorischen Gebäuden auf engstem Raum beeindruckt. Neben einem Schloss steht ein edles Bürgerhaus, und daneben, ein Palais. Mitten in der Altstadt gelegen, in bester Gesellschaft zwischen Semperoper, Residenzschloss und Taschenbergpalais, befindet sich der Zwinger.

Daniele Ludewig

 

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Sie umgibt uns und begegnet uns jeden Tag in verschiedenster Form. Nicht immer ist das Empfinden für Ästhetik dasselbe. Meinungen gibt es unzählige. Auf Belle Sophie wird eine dieser Meinungen vermittelt.

Aus Liebe zum "ß", weil es einfacher schöner aussieht, taucht es in den Texten ab Oktober 2018 wieder auf. 


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