17. Mai 2018

 

Je mehr ich das aktuelle Geschehen verfolge, die Leute auf der Straße beobachte, und mich mit anderen Menschen unterhalte, stelle ich fest, dass diese globalisierte Gesellschaft sich immer mehr verliert in den negativen Eigenschaften der Menschheit.

Ich bin kein gläubiger Mensch. Die Kirche und was da an Glauben und nicht rationellem Denken dazu gehört, sehe ich eher kritisch. Grundsätzlich lehne ich jede Form von bedingungslosem Annehmen vorgefertigter Meinungen und Ansichten ab. Denken, Überlegen und Dinge in Frage stellen, halte ich für ein hohes Gut und unabdingbar für eine funktionierende Gesellschaft und vor allem für eine Demokratie.

Bei dem was ich allerdings derzeit beobachte, kann ich aber die Parallelen mit einer Erwähnung in der Bibel nicht übersehen: Die Beschreibung des Sündenverfalls der Menschheit. Wenn man mal genau hinschaut, trifft das aktuell auf die Gesellschaft zu!

 

 

Mittlerweile sagen viele, dass das Handy einem die Zeit raube und abhängig mache. Tatsächlich ist es nicht das Handy selbst, sondern das, was man alles damit machen kann. Es wird ja damit nicht nur telefoniert. Es werden Spiele gespielt, wichtige und unwichtige Gespräche per sms geführt und fotografiert. Das Fotografieren geht mir am meisten auf den Keks. Jeder Mist, sei es das Mittagessen, der Hund beim Schlafen, die Kinder beim Spielen, die Kumpels beim Saufen, die Freundinnen in der Disco ... egal, alles muss bildlich festgehalten, auf irgendeinem Portal hochgeladen und der ganzen Welt gezeigt werden. Und seien wir doch mal ehrlich, in Wirklichkeit interessiert es doch niemanden die Bohne, was Heti und Pleti zum Mittagessen hatten. 

Am aller schlimmsten ist dieses blöde Selfie-Gemache. Jeder Hannebambel hält seine Visage in die Kamera, um mit seinem Bild die Welt zu beglücken. Diese Sucht zur Selbstdarstellung und diese übersteigerte Verliebtheit in die eigene Person, ist mittlerweile unerträglich geworden. Die Eitelkeit des Menschen ist mittlerweile riesengroß und leider merkt die Mehrheit der Menschheit nicht, wie dämlich und unnütz das ist.

Jetzt sagen natürlich viele: „Du musst es dir ja nicht anschauen“. Aber man kann sich dem ja kaum entziehen, wenn um einen herum ständig alle Fotos machen und einem fast vor das Auto laufen, weil sie den Blick nicht vom Handy lassen können. Allmählich verliere ich immer mehr das Vertrauen in das geistige Potenzial dieser Gesellschaft.

  

 

Wo man geht und steht, bekommt man was zu essen. Die Qualität ist sekundär, denn offenbar zählt nur die Menge. Gehen Sie mal abends in den Supermarkt, da ist die komplette Fleischwarentheke noch voll. Was heute Abend aber nicht mehr verkauft wird, landet im Müll. Man kann alles zu jeder Zeit in Überfluss bekommen. Wir „essen“ nicht mehr, sondern wir „fressen“, und das auf Kosten von Tier, Umwelt und der eigenen Gesundheit. 

Resultat: Zum einen hat die Fettleibigkeit enorm zugenommen und zum anderen ist die Nahrung in dieser großen Menge nur noch in minderer Qualität herstellbar. Lesen Sie mal das Kleingedruckte auf der Verpackung. Da ist teilweise mehr Chemie drin als in so manchem Medikament. Wenn Tofu so aussieht und schmeckt wie Wurst, dann sind da künstliche Zusatzstoffe drin! 

Tatsächlich käme der Mensch mit weniger Essen aus: Wir sollten also aufhören, soviel in uns reinzustopfen. Und wenn abends um 19.30 Uhr kein Putensteak mehr da ist, dann muss man sich nicht echauffieren, sondern isst halt was anderes!

  

 

Eines meiner Lieblingsthemen zum Aufregen ist dieser völlig aus den Fugen geratene Kapitalismus. Frau Merkel redet immer von der „sozialen Marktwirtschaft“. Sie und alle anderen, die noch glauben, dass wir die hätten, lesen bitte nochmal nach, was genau da der Unterschied ist. Wir haben nämlich den absoluten Kapitalismus!

Diese ganzen Handelsabkommen und zollfreien Märkte dienen nur den Konzernen und Großunternehmern. Manager verdienen Unsummen und stehen noch nicht einmal für ihre Fehler ein oder werden zur Verantwortung gezogen. Die Reichen werden immer reicher und verlieren völlig Anstand und Sitte. Sie leben im Überfluss, verdienen grotesk viel Geld und sind sich nicht zu schade, auch noch Steuern zu hinterziehen oder korrupt zu sein. 

Der normale Mensch, der fleißig malochen geht und beiträgt zu dem Reichtum der Oberschicht, bekommt im Gegenzug dazu wenig davon ab. Derzeit besitzen 10 % der Bevölkerung in Deutschland 60 % des deutschen Gesamtvermögens. Mehr als unfair, würde ich sagen!

 

 

Sex ist überall zu haben und scheinbar von jedem. Früher ging man ins Bordell, heute gibt es Tinder und Swinger-Clubs. Wunderbar für diejenigen, die es häufig „brauchen“, denn im Bordell kostet es Geld, bei Tinder & Co. nicht. Passt aber auch zur gesellschaftlichen Einstellung: „Was nix kost’ is’ auch nix Wert“ und so wird ja auch damit umgegangen. Geht Susi heute nicht mit Tom ins Bett, versucht er’s mal bei Brigitte und wenn Frank heute lieber mit Kumpels saufen geht, checkt Sabine mal, ob Andy heute Zeit hat. Und ob da jetzt mal einer verheiratet oder fest liiert ist, ist auch egal.

Sex ist einfach zu haben, wird hemmungslos ausgelebt und ist bedeutungslos geworden.

 

 

Dies ist die einzige Todsünde, für die ich (teilweise) Verständnis habe. Mir gefällt mit Sicherheit auch nicht immer der teilweise plumpe und rüde Umgangston, aber den Grund für den gesellschaftlich aktuellen Zorn, den verstehe ich. Er ist nichts anderes als die Reaktion auf Politik, Kapitalismus und die daraus resultierenden gesellschaftlichen Veränderungen, die vielen Menschen offensichtlich nicht gefallen.

Es ist ja immer wieder von der „Verrohung“ dieser Gesellschaft die Rede, die von Politikern, Medien und selbsternannten Intellektuellen angeprangert wird, die mit Beleidigungen wie „dumm“, „primitiv“, „rassistisch“ oder „rückwärtsgewandt“ keinesfalls einen besseren Umgangston an den Tag legen. Letztlich ist dieser Zorn aber nur der Ausdruck der Gesellschaft, dass etwas ins Ungleichgewicht geraten und nicht mehr still hinnehmbar ist. Die Menschen echauffieren sich, weil es aus ihnen rausplatzt, und weil sie es nicht mehr aushalten oder ertragen können.

Wenn man Menschen ihren Lebensraum, ihre Existenzgrundlage und ihre Würde nimmt oder permanent angreift, werden diese eben irgendwann mal sauer – und zwar zu Recht! Das betrifft die Rentnerin, die sich Essen bei der Tafel holen muss genauso wie den Durchschnittsarbeitnehmer, der sich die überteuerte Stadtmiete nicht mehr leisten kann. 

Der Zorn dieser Gesellschaft ist das Resultat von falscher Politik und ausbeutenden Kapitalisten. Nicht der Bürger muss sich schämen, dass er wütend ist, sondern die Verursacher sollten sich mit dem Gesicht zur Wand in die Ecke stellen, dass sie die Bevölkerung bis auf’s Blut reizen.

 

 

Neid und Zorn sind wie Bruder und Schwester und gehen Hand in Hand. Wenn jemand zurecht etwas mehr besitzt als der andere, weil er es ehrlich und fair erarbeitet hat, respektiert man das. Wenn jemand „viel mehr“ hat als „die meisten“ anderen und dann damit auch noch protzt und angibt, und der Reichtum auf Kosten anderer erzielt wurde, dann entsteht Neid. 

Wieder ist es das zu große Ungleichgewicht und eine damit einhergehende Ungerechtigkeit, die hier vorausgehen. Wenn dann auch noch in Fernsehsendung die Superreichen ihren Luxus zeigen und damit angeben, dass sie sich den Belugakaviar extra einfliegen lassen oder dass das neue Penthaus für einen zweistelligen Millionenbetrag ja leider kaum bewohnt wird, weil man ja so schrecklich viel in der Welt umherreist, dann ist das schlichtweg die reine Provokation. Und ob das Geld immer „ehrlich und fleißig“ in der Welt verdient wurde, wage ich zu bezweifeln.

Diese zur Schau gestellte Maßlosigkeit und der Überfluss, in dem einige leben, sind das, was Neid hervorruft. Respektieren kann man den vermeintlichen Erfolg dieser Leute nicht mehr.

 

 

Es gibt eine „gesunde“ Faulheit, die etwas mit Entspannung und Erholung zu tun hat. Die Faulheit, die anzuprangern ist, geht einher mit dem vermeintlich „tollen digitalen Zeitalter“. Wenn der Mensch das Denken einstellt, weil ihm alles abgenommen wird, wenn er aufhört sein Gehirn dazu zu benutzen, sich etwas zu merken, weil er alles googlen kann, dann ist das höchst bedenklich. Die Digitalisierung ist eine der negativsten Veränderungen unserer Zeit.

Wie ich in einem früheren Artikel bereits erwähnte, ist das Gehirn wie ein Muskel, der verkümmert, wenn er nicht benutzt wird. Durch die Bequemlichkeit, uns alles abnehmen zu lassen, verlieren wir Fähigkeiten, die wir uns seit Jahrtausenden angeeignet haben. Im Grunde entwickeln wir uns geistig zurück.

Sich Wege merken zu können übernimmt jetzt das Navi, was den Orientierungssinn überflüssig macht. Einparkhilfen und autonomes Fahren führen zum Verlust des dreidimensionalen Denkens und der Reaktionsfähigkeit. Und alles zu googlen und nichts mehr zu „erlernen“, lässt die Merkfähigkeit verkümmern.  

Wir opfern unsere Fähigkeiten, unsere Sinne und das selbständige Denken für ein bisschen Bequemlichkeit und entwickeln uns ganz langsam zu dümmlichen Urzeitmenschen zurück. Und das Schlimmste dabei ist, die Meisten finden es „geil und cool“. Da merkt man leider, dass der geistige Verfall schon eingesetzt hat.

 

 

FAZIT

Es scheint, als entwickelten wir uns zurück zu einem geistig degenerierten Volk. Der Wunsch selbständig zu Denken, sich konstruktiv mit Dingen auseinanderzusetzen und die Wiederentdeckung und Anwendung eines moralischen Anstandes, wären wünschenswert und dringend nötig.

Ich finde Dummheit sollte auch eine Todsünde sein: Die Dummheit alles unzensiert hinzunehmen oder sich alles aufzwingen zu lassen, wie z.B. die Digitalisierung in allen Bereichen, falsche Politik und den absoluten Kapitalismus.

Helena von Rehberg

 

„Wir sind nicht nur für das verantwortlich, was wir tun,

sondern auch für das, was wir widerspruchslos hinnehmen.“    

Arthur Schopenhauer (1788 - 1860, dt. Philosoph)

Über Belle Sophie

Auf Belle Sophie geht es um Ästhetik.
Sie umgibt uns und begegnet uns jeden Tag in verschiedenster Form. Nicht immer ist das Empfinden für Ästhetik dasselbe. Meinungen gibt es unzählige. Auf Belle Sophie wird eine dieser Meinungen vermittelt.

Aus Liebe zum "ß", weil es einfacher schöner aussieht, taucht es in den Texten ab Oktober 2018 wieder auf. 


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