26. Mai 2017

Ich, Wutbürger  

 

 

Mein Name ist Bürger/in, Wut Bürger/in und gemäß des Grundgesetzes darf ich meine Meinung sagen, und davon mache ich jetzt und hier Gebrauch.

Derzeit gibt es viele Dinge, die mich aufregen oder sogar ärgern und ich denke, ich stehe damit nicht allein. Man sieht es an der Gesellschaft und den Ausuferungen in Wort und im Benehmen, dass es immer mehr Ereignisse gibt, die die Menschen nicht mehr unberührt lassen. Sie ärgern sich, sind enttäuscht, wütend und frustriert.

Auch ich bin wütend darüber, dass es über 1000 Anzeigen wegen sexueller Belästigung und Diebstahl nach der Silvesternacht auf der Kölner Domplatte gab und letztlich keine Verurteilungen. Und dass es ausgerechnet eine Frau war, die als amtierende Bürgermeisterin von Köln den Frauen rät, die von ganzen Horden von Männern bedrängten wurden, sich die zudringlichen Männer einfach nur mit einer „Armlänge“ fernzuhalten. Mich ärgert auch, dass niemand diese Frau für ihre geistlose Äußerung öffentlich zurechtgewiesen hat.

Mich ärgert im Zuge dessen auch, dass sexuelle Belästigungen und Vergewaltigungen von Ausländern als Einzelfälle bezeichnet werden. In jedem dieser Fälle wurde die Würde und Unversehrtheit einer Frau verletzt und somit ist jeder dieser einzelnen Fälle für diese Frau oder das Mädchen ein schreckliches Erlebnis. Das Herunterspielen mit den Worten „es sei nur ein Einzelfall“ und dann noch „es sei eben eine andere Kultur und die müssen sich erst eingewöhnen“ ist eine Frechheit!

Mich nervt, dass eine Bundeskanzlerin in der Pressekonferenz sagt: "Wir haben schon so vieles geschafft. Wir schaffen das." Ich frag mich wie sie das Wort „Wir“ benutzen kann. Sie hat doch nicht an der Grenze gestanden und die Massen an Flüchtlingen registriert. Das waren Freiwillige und die Polizei, ohne deren Hilfe das alles niemals auch nur ansatzweise geklappt hätte. Ich finde es wirklich anmaßend, dass sie am Schluss diese immense Leistung als ihren Verdienst auslegt.

Grundsätzlich finde ich es empörend, dass Politiker immer von Verantwortung reden, die sie von Amtswegen innehätten, aber letztendlich gar nicht wirklich für ihr Versagen haften. Sie haben Verantwortung, aber ohne Konsequenzen für sie. Eine lächerliche Situation, die es einem Berliner Bürgermeister erlaubt hat, im Aufsichtsrat des Großprojektes Berliner Flughafen zu sitzen, die Nummer in den Sand zu setzten und nicht dafür abgestraft zu werden. Was macht dieser Mensch eigentlich im Aufsichtsrat eines solchen Projektes? Er hat überhaupt keine Ahnung vom Bauwesen, von derartigen Großprojekten und von Geldverwaltung. Er war völlig unqualifiziert. Man stelle sich vor ein Busfahrer wolle plötzlich als Chirurg arbeiten, da würde das Arbeitsamt die Hände überm Kopf zusammenschlagen.

Oder nehmen wir mal unseren Justizminister und unseren neuen Außenminister. Ersterer kommt immer zur Pressekonferenz reingeschlendert mit den Händen in den Hosentaschen, was so aussieht, als ginge er zum Dosenkicken auf den Schulhof. Möchte aber bitte ernst genommen werden, wenn er von der Verrohung der Gesellschaft spricht und dass er etwas gegen diesen sprachlichen Verfall unternehmen will. Seinem Parteimitglied und jetzigem Außenminister ließ er aber dessen pauschale Beleidigung der Pegida-Demonstranten als „Pack" durchgehen.

Stattdessen wäre es angebrachter die dekadente Managerwelt zu beleidigen. Die Winterkorns dieser Welt, die ihren Posten räumen müssen, weil sie Mist gebaut haben und unzählige Arbeitsplätze der kleinen Leute riskierten. Aber egal, er bekommt trotzdem seine abartig hohe Abfindung von 50 Mio. Die kleine Lidl-Verkäuferin, die eine abgelaufene Ware aus dem Müll mitgenommen hat im Wert von 3 € wird aber gefeuert. Da stimmte sogar das Arbeitsgericht zu. Und es geht noch schlimmer: Winterkorn hat 5 € pro qm Miete gezahlt in einer Top-Wohngegend, und dessen beheizten Koi-Teich hat quasi der Steuerzahler bezahlt. Und das im Aufsichtsrat dieses Unternehmens ein Politiker saß, der diesen unsittlichen Vertrag mit abgezeichnet hat, regt mich auch auf! 

Zu guter Letzt ärgert mich, dass ich Strafe zahlen muss, wenn ich bei einer Verkehrskontrolle meinen Ausweis und Führerschein nicht dabei habe, währenddessen 80% der Zuwanderer aus Afrika überhaupt gar kein Ausweisdokument besitzen. Das ist dann aber egal!

Es gibt viele Dinge, die mich ärgern, und ich bin dann auch mal wütend. Der Unterschied ist nur, dass ich meine Unzufriedenheit mit dieser Welt nicht damit abreagiere, indem ich mit einem LKW in einen Weihnachtsmarkt fahre, mit der Axt auf fremde Leute losgehe oder unschuldige Konzertbesucher in die Luft sprenge. Ich schimpfe allenfalls mal wie ein Rohrspatz, um mir Luft zu machen und meinen Ärger raus zu lassen, damit ich keine Bauchschmerzen bekomme. Das muss auch mal erlaubt sein!

So jetzt geht's mir besser. 

Helena von Rehberg

 

Über Belle Sophie

Auf Belle Sophie geht es um Ästhetik.
Sie umgibt uns und begegnet uns jeden Tag in verschiedenster Form. Nicht immer ist das Empfinden für Ästhetik dasselbe. Meinungen gibt es unzählige. Auf Belle Sophie wird eine dieser Meinungen vermittelt.

Aus Liebe zum "ß", weil es einfacher schöner aussieht, taucht es in den Texten ab Oktober 2018 wieder auf. 


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