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05. Juli 2019

LERNEN, LESEN, PROBESITZEN

Zu Besuch in Weimar und seinen neuen Museen

Tag 2: „Neues Museum Weimar“ – Die Moderne um 1900

 

 

Treppenhalle im Neuen Museum Weimar / Bild: © Daniele Ludewig

 

Am zweiten Tag meiner Kulturreise mit den anderen interessierten Busreisenden stand das „Neue Museum Weimar“ auf dem Plan, daß die Moderne am Wendepunkt der Jahrhundertwende um 1900 zeigt. Schon der morgendliche Spaziergang dorthin war beeindruckend, denn es steht an einem weitläufigen Platz, umgeben von anderen historischen Gebäuden. Das ehemalige „Großherzogliche Museum“ präsentiert sich aber bescheiden und unaufdringlich, ganz anders als das Bauhaus-Museum, das wir gestern besucht hatten. Das Museum wurde 1869 im Stil des Historismus erbaut, und genau hier wird jetzt jener Stilübergang vom Historismus über den Jugendstil hin zum Bauhaus dargestellt. 

Wie sich das eben für solche historischen Gebäude gehört, führt eine große Freitreppe hinauf zum Eingang. Als ich in der Eingangshalle stand war mir klar, hier gefällt es mir. Die Innenraumgestaltung ist geschmack- und stilvoll zugleich: Alte Stilelemente wurden modern umgesetzt – großartig! Ich habe selten ein so schönes Museum gesehen, das so respektvoll saniert wurde. Noch schnell die Handtasche wegschließen, damit man nirgends dranrammelt, und los ging es auch schon mit der Führung. Begonnen wurde oben, was erst mal komisch ist, aber Sinn macht, denn man muß durch diese sehr elegante Treppenhalle hinaufschreiten, die einem gleich zeigt: Hier wird wertvolles Wissen ausgestellt.

Schritt für Schritt durch die Räume geht man durch die Zeit und die Entwicklung jener Stil- und Lebensveränderungen. Zum einen steht da der Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach, der die Industrialisierung als Herausforderung wahrnimmt, aber die Bilder von Auguste Rodin nicht in seinem Museum ausstellen will, weil sie ihm „zu nackt“ sind. Man lernt den Architekten Henry van de Velde kennen, der durch die immer weitere Reduzierung der Formgebung seines Jugendstilinterieurs letztendlich zum Wegbereiter des Bauhaus wurde, und das sein „neuer Stil“ auch den Lebensstil seiner Familie mit einschloß. Und jedem aufmerksamen Besucher wird hier klar, daß das Bauhaus die Idee „Handwerk und Design“ zu verbinden eben nicht für sich verbuchen kann, sondern der vorangegangene Jugendstil.

 

Videoinstallation im Museum / Bild: © Daniele Ludewig

 

Die Veränderung der Lebensumstände durch die Industrialisierung, und im Gegensatz dazu das Bestreben das Handwerk zu stärken, um Arbeitsplätze zu sichern, wird ebenso erklärt wie die Veränderung der Gestaltung von Architektur und Mobiliar, sowie der Konflikt zwischen den damaligen Architekten, wie denn nun der „neue Stil“ auszusehen hätte. Und all das Wissen aufzunehmen strengt überhaupt nicht an! 

Die Wände der Ausstellungsräume sind farbig gestaltet und der Parkettfußboden läuft sich sehr angenehm und macht die Räume optisch warm und nahbar. Dies ist ein Museum, daß mehrere Sinne anspricht. Hier kann man nicht nur Exponate anschauen und auf Tafeln Informationen ablesen. Hier darf man auch anfassen, fühlen, probesitzen und bekommt auch Videos gezeigt, bei denen man einfach nur mal zuhören darf. Es wurden Stühle nachgebaut, auf die man sich setzen darf, um zu „ersitzen“, wie sich ein Stuhl aus der Zeit des Jugendstils so anfühlt. Eine Dame aus meiner Reisgruppe und ich stellten gleich fest, daß die schmale Sitzfläche einer der Stühle einen dicken Po macht, obwohl man gar keinen hat. „So was käme uns nicht ins Haus!“

Dann stehen da noch so Ferngläser rum, von denen ich erst mal nicht wußte, was das sein soll. Und siehe da, es war was ganz Tolles. Normalerweise kann man Ausstellungsstücke immer nur einzeln betrachten und isoliert ohne Zusammenhang zu ihrem ursprünglichen Standort. Hier nicht! In den Ferngläsern ist ein 3D-Bild zu sehen, das einem den Schreibtisch, den Stuhl oder das Gemälde in dem Raum oder Salon zeigt, für den es Anfang des 20. Jahrhunderts mal entworfen wurde. Eines der Ferngläser richtet sich nach draußen auf die Straße. Wirft man einen Blick hindurch, kann man die ehemalige Prachtstraße des vergangenen Weimars mit Kutschen, alter Straßenbahn, Damen mit Hüten und Herren im Frack sehen. WUNDERBAR!

 

Ferngläser mit 3D-Bildern zeigen das Mobiliar in dem Salon, für den es entworfen wurde. / Bild: © Daniele Ludewig

 

Wir waren zwei Stunden in diesem Museum, und ich habe mich nicht gelangweilt oder bin des Lesens oder Schauens müde geworden. Ganz im Gegenteil: Ich hätte noch länger bleiben können, aber leider fuhr ja mein Reisebus dann ab. Abschließend habe ich noch ein schönes Buch über Jugendstil gekauft und bin zu der Erkenntnis gekommen, daß sich Weimar seit meinem letzten Besuch vor drei Jahren ziemlich rausgeputzt hat. Ja, da ist viel Geld von der EU hingeflossen, aber ehrlich gesagt, wenn jemand so viel Schönes und Sinnvolles mit Geld anzufangen weiß, dann soll er es auch bekommen. Toll, was Weimar da auf die Beine gestellt hat.

Und so gingen zwei schöne Museumstage vorbei, in denen ich viel gelernt habe, tolle Eindrücke hatte und zwei völlig unterschiedliche Museen gesehen habe. Ein Bauhaus-Museum, das eher eine Ausstrahlung hat von: „Faß mich nicht an, aber bewundere mich!“ Und ein Neues Museum, das mir sagt: „Berühr mich und lerne von mir.“ Beeindruckt mit ihrer Präsenz und Informationsflut haben mich beide!! Denn beide Museen haben es verstanden, Kulturerbe zu bewahren und es dem Bürger zugänglich zu machen. 

Daniele Ludewig

"Wir müssen reden!"

... und zwar über den Niedergang des öffentlichen Auftretens. Es ist nicht mehr wegzudiskutieren, und es ist auch kein Einzelfall mehr. Es ist auch kein Problem der Unterschicht oder schlecht Verdienender. Es ist ein Problem der Einstellung: Wie verlasse ich das Haus? Früher war vieles besser. Das betrifft beispielsweise auch die Kleidung, mit der sich immer mehr Menschen auf die Straße trauen. Bewußt rede ich nicht von Mode, denn teilweise wird der Schlabber- und Jogginghosenlook als gerade en vogue bezeichnet. Der Hesse würde sagen: „Des häts früher so net gegebbe!“ 

Selbst die deutschen Trümmerfrauen sahen nach dem Krieg, wo alles weg war, inklusive der Kleidung, besser aus. Ein anständiger Rock, ein Blüschen und eine Kostümjacke drüber, fertig war man für den Gang auf die Straße. Die heutige junge Frau schiebt den Kinderwagen vor sich her, hat eine Klamotte an wie eben vom Sofa aufgestanden und glotzt dabei auf ihr Handy. Weder ist sie an ihrer Umwelt interessiert, noch an ihrem Baby, geschweige denn an ihrem eigenen Aussehen. Also reden wir im September über den Verfall der Gesellschaft im öffentlichen Straßenraum.

Daniele Ludewig

INSPIRATION & MOTIVATION


In der Art wie wir leben, wie wir wohnen, und wie wir uns kleiden, aber auch im Umgang mit anderen Menschen wird unsere subjektive Wahrnehmung beansprucht oder auch beeinflußt. Positiv wie negativ. Das Wort Ästhetik drückt dieses subjektive Empfinden über Schönheit und Harmonie am besten aus und führt zur Auseinandersetzung damit.

Ist nur Symmetrie harmonisch?
Oder entsteht Harmonie auch durch Vielfalt?
Und ist Vielfalt immer schön?
Jeder entscheidet das für sich selbst.

Belle Sophie möchte Gedanken zu diesem vielseitigen Thema, das sich durch alle Lebensbereiche zieht, mit anderen teilen, und keine absolute Meinung vermitteln. Hier soll zum Nachdenken und zur Auseinandersetzung, und manchmal zum Schmunzeln, angeregt werden. Bestenfalls ist sie ein Wegweiser für eine Gesellschaft, die vielleicht ein bisschen vergessen hat, auf sich selbst und den Umgang mit anderen Menschen zu achten!

Über Belle Sophie

Auf Belle Sophie geht es um Ästhetik.
Sie umgibt uns und begegnet uns jeden Tag in verschiedenster Form. Nicht immer ist das Empfinden für Ästhetik dasselbe. Meinungen gibt es unzählige. Auf Belle Sophie wird eine dieser Meinungen vermittelt.

Aus Liebe zum "ß", weil es einfacher schöner aussieht, taucht es in den Texten ab Oktober 2018 wieder auf. 


Kontakt

Daniele Ludewig
Helena von Rehberg
contact@bellesophie.com
Postadresse auf Anfrage.


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