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04. April 2019

Auf den Kopf gestellt!

Irgendwo zwischen politisch korrekt und übertrieben korrekt.

 

 

„Rüdiger, was machst du denn da?“ – „Ich versuche die Welt zu verstehen.“ / Bildquelle: pixabay

 

„Das Wasser ist naß, der Himmel ist blau und Frauen haben Geheimnisse.“ Mit diesem Satz gibt Bruce Willis im Film Last Boy Scout (1991) seinem Kumpel zu verstehen, daß es Gesetzmäßigkeiten bei Mensch und Natur gibt. Ich find’ den Satz cool. Aber heute – fast 30 Jahre später – können Sie mit so einer Aussage bei gewissen Leuten ziemlich ins Fettnäpfchen treten. Heutzutage muß alles politisch korrekt sein. Und ich meine alles! Nichts und niemand dürfen pauschalisiert werden, geschweige denn sich ausgegrenzt oder verletzt fühlen. Die Gesellschaft ist wahnsinnig empfindlich geworden. Jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt. Geschlechter oder womöglich ganze Personengruppen in eine Schublade zu stecken, kann zu schwerster Empörung führen. Nichts darf mehr sein, wie es war – alles scheint reformiert werden zu müssen.

 

Das Wasser ist naß.

Tiger haben Streifen.

Das Rad ist rund.

 

Im Moment wird alles auf den Kopf gestellt. Gesetzmäßigkeiten werden außer Kraft gesetzt. Das Rad der Gesellschaft soll neu erfunden werden. Es wird über alles diskutiert: Gängige Formulierungen, geschlechtertypische Gegebenheiten und die Bedeutung einzelner Wörter werden auf ihre Korrektheit hin überprüft. Einige Wörter dürfen mittlerweile nicht mehr benutzt werden und gelten als böse, sprich politisch inkorrekt. Ich persönlich verliere allmählich den Überblick, welche das sind. Ein neues Wörterbuch müßte her: „Erlaubte und nichterlaubte Wörter der deutschen Sprache“. 

Zum Beispiel gibt es bestimmte Substantive, bei denen das dazugehörige Adjektiv einfach wegrationalisiert wurde, weil es als böse gilt. Sie sind derart negativ belastet, daß der Gebrauch quasi untersagt ist. So ist das Adjektiv von Mensch menschlich und von Bürger bürgerlich völlig in Ordnung. Das rote Tuch der deutschen Sprache legt sich über die Adjektive von Volk und Nation: Völkisch und nationalistisch sind stigmatisierte Wörter, für die kein adäquates Pendant gefunden wurde, das man stattdessen ungehemmt über die Lippen bringen darf.

Schwierig wird es auch bei der Verwendung des Wortes Heimat, weil es andere ausgrenzen würde, nämlich die Zugezogenen, also die, mit Migrationshintergrund, also Nichtdeutsche (ach ne, das darf man gar nicht sagen) ... verdammt, wie war nochmal das richtige Wort? Egal, was soll das auch schon sein Heimat?! In einer globalisierten Welt, in der alle gleich sein sollen, ist das doch bedeutungslos. Früher konnte man sich darunter etwas vorstellen, heute muß darüber diskutiert werden oder war es debattiert? Generell wird gerade sehr viel debattiert. Vor allem über Wörter und ihre Bedeutung.

Negerkuß heißt jetzt Schokokuß.

Der Papa von Pippi ist jetzt der Südseekönig.

Hautfarbe weg. Geschlechter weg.

Unterschiede soll es keine mehr geben.

 

Es war noch nie so einfach, ins sprachliche Fettnäpfchen zu treten und noch nie so schwer, politisch korrekt etwas zu Essen zu bestellen. Auf der Kirmis bestellt man heute bitte einen Schoko- oder Schaumkuß und um Gottes Willen keinen Negerkuß mehr. Das Wort Neger gilt heute als Beleidigung (was in der ursprünglichen Wortbedeutung völliger Quatsch ist). Deswegen ist der Papa von Pippi Langstrumpf jetzt nicht mehr der Negerkönig auf Taka-Tuka-Land, sondern der politisch korrekte Südseekönig. Sämtliche Geschichten und Bücher werden umgeschrieben (hoffentlich haben Sie keine alte Fassung mehr zu Hause). Und auch das Zigeunerschnitzel hat einen neuen Namen: Es ist jetzt ein Schnitzel in Paprikasauce.

Gefühle und Empfindlichkeiten eines Jeden werden extrem ernst genommen. So ist im Genderzeitalter und eines dritten Geschlechts auch die Frage, ob man ein Mann oder eine Frau ist, unter Umständen schon gefährlich. Denn heutzutage „fühlt“ man sich als Mann oder Frau, man „ist“ es nicht mehr nur. Diese Einfachheit gilt als nicht mehr zeitgemäß und würde dem dritten Geschlecht – das ein Anrecht auf ein eigenes Klo hat! – nicht gerecht werden.

Haben bis dato unsere Politiker immer ganz brav und politisch korrekt von Wählern und Wählerinnen oder Bürgern und Bürgerinnen gesprochen, um den Frauen nach Jahrhunderten der Unterdrückung endlich ihre geschlechterspezifische Endung zuzugestehen, muß Frau mittlerweile auf diese Errungenschaft schon wieder verzichten. Denn wir sind mittlerweile alle neutralisiert worden. Jetzt sind wir Wählende, sowie Radfahrende, Lesende, Frisierende ...; und wie ist eigentlich das Genderwort für Bürger? Bürgende geht nicht, denn das ist was völlig anderes! Das ist doch alles lächerlich!

 

Geheiratet wird gleichgeschlechtlich.

Kinder werden nicht mehr erzogen.

Alle sollen sich frei entfalten können.

 

Seit den 68-ern ist das Zauberwort „antiautoritär“. Kinder sind hochbegabte Individuen und nicht etwa schlecht erzogen. Eltern sind geduldige Erwachsene und nicht etwa mit der Erziehung des Nachwuchses überfordert. Kritik an diesen Freigeistern wird mit verachtenden Blicken bestraft. Ein Anspruch an sich selbst oder andere, einen anständigen Umgang zu pflegen, ist überholt. Benimmregeln gelten als altmodisch. Jeder will „er selbst sein“ und sich benehmen wie er/sie/es will. Alles wird dieser neuen Regel der freien Entfaltung unterworfen. Strenggenommen allerdings ginge auch das eigentlich nicht, denn Regeln soll es ja gar nicht mehr geben. Was für ein Dilemma.

 

Bei der Begrüßung gibt man eigentlich die Hand.

Fremde Menschen werden eigentlich gesiezt.

Älteren Menschen bietet man im Bus einen Platz an – eigentlich!

 

Jeder macht, was er will, höfliche Umgangsformen tschüß. Neuerdings wird man ja auch von jedem Hannebambel geduzt, und ob man das befremdlich findet, interessiert keinen. Es ist modern, deswegen müssen wir es alle mitmachen und schlimmer noch, wir müssen es alle gut finden. Hauptsache es vermittelt den Eindruck, alle seien frei und ungezwungen. Überhaupt scheint der größte Wunsch der Menschheit gerade grenzenlose Freiheit in allen Belangen zu sein: bargeldloses Bezahlen, freies Reisen ohne Kontrolle, ungezwungener Sex mit jedermann, keine Verhaltensformen, keine Ländergrenzen, keine Geschlechternormen (deswegen drittes Klo!) und auch keine kulturellen Grenzen – die es aber nunmal gibt und das ist auch gut so!

Engländer trinken um fünf Uhr Tee.

Die Italiener machen die beste Pasta.

Holländer sind berühmt für ihre Tulpen.

 

Aber das Allerwichtigste ist der Kampf um den digitalen Netzempfang. Das Überleben der Menschheit scheint aktuell von dieser einen Sache abzuhängen. Freiheit durch grenzenloses Surfen überall. Dabei waren wir schon lange nicht mehr so unfrei wie heute. Wir verpassen uns ja nicht nur eine Zwangsjacke in der Benutzung von Wörtern und politisch korrektem Verhalten, sondern begeben uns freiwillig in die totale Kontrolle von Staat und Großkonzernen: digitale Überwachung, Kameras überall, Bewegungsprofile, Gesichtserkennung, Augenirisscan und Datenspeicherung. Sämtliche Geheimdienste und Mark Zuckerberg beobachten und analysieren alles, was wir tun. Aber das Einzige, worüber sich klein Hänschen von nebenan Sorgen macht, ist flächendeckendes WLAN und 5G bis in die letzte Ecke von Mecklenburg-Vorpommern. Hauptsache frei, grenzenlos, unbekümmert!

 

Nationen sollen abgeschafft werden.

Alle sollen gleich sein.

Aber das Individuum steht an erster Stelle.

Wie soll das gehen?

 

Die Leute machen sich keine Gedanken darum, wohin dieser Freiheits- und Korrektheitswahn führt. Wer versucht, alles zu reglementieren und alle zwanghaft gleich zu stellen, dann noch so tut als wäre es zum Wohl des Einzelnen, der hat nicht verstanden, wie die Menschen ticken. Zwanghafte Neuordnung einer Gesellschaft hat in der Geschichte noch niemals funktioniert – zumindest nicht auf Dauer. Der Mensch braucht Grundregeln, Zugehörigkeit und Werte. Das ist die Stabilität einer Gesellschaft. Menschen, die sich auf diese Verläßlichkeit berufen als altmodisch zu bezeichnen, ist eine große Dummheit.

Früher war auch nicht alles besser, aber doch Einiges! Lassen wir doch wenigstens ein paar Dinge, so wie sie waren.

In diesem Sinn, bleiben Sie altmodisch: Erziehen Sie Ihre Kinder, vermitteln Sie Werte, definieren Sie die Bedeutung von Heimat, schütteln sie anderen Menschen zur Begrüßung die Hand und um Himmelswillen siezen Sie, was das Zeug hält.

 

Und so wie sich diese Welt gerade entwickelt, war das bestimmt nicht das letzte Mal, daß wir von Belle Sophie uns zu diesem Thema geäußert haben ...

Helena von Rehberg

 

Altmodisch kann sehr charmant sein. / © shutterstock

Ungeliebtes BAUHAUS

Es war einmal eine 19-jährige Studentin, die an der Hochschule ihr Architekturstudium begann. Sie hoffte, hier ihre Kreativität ausleben zu können, angeleitet von erfahrenen Professoren, die unvoreingenommen die Studenten anleiten, das Beste aus sich rauszuholen. Sie dachte, man lege Wert auf eine vielseitige Meinung im Austausch und im Gestalten. Leider hat das nicht geklappt. Meine Hoffnung wurde enttäuscht. Die Götter in Schwarz (der Prototyp des Architekten trägt schwarze Kleidung) hatten eine ziemlich einseitige Meinung über den Architekturstil, den es zu lehren galt. Dem BAUHAUS-Stil hatten wir Studenten zu huldigen. Gebetsteppiche sollten wir ausrollen vor Gropius, Corbusier & Co. Die Schuhkarton-Architektur war das Non-plus-ultra. 100 Jahre nach Gründung der BAUHAUS-Schule wird es jetzt allerdings mal Zeit, nicht etwa für eine Wiederbelebung dieses Stils, sondern um mein Trauma zu bearbeiten. Ich werde mich an diesem angeblich unantastbaren und vermeintlich immer noch zeitgemäßen Baustil abarbeiten und ihn zerlegen. Meine Zeit ist gekommen, um dieser kantigen Architektur die Stirn zu bieten – denn ich bin nicht mehr allein mit meiner Kritik. Außerdem muß ich keine Angst mehr haben, daß ich eine schlechte Note bekomme, weil ich mich kritisch äußere, ...olé!

Daniele Ludewig

INSPIRATION & MOTIVATION


In der Art wie wir leben, wie wir wohnen, und wie wir uns kleiden, aber auch im Umgang mit anderen Menschen wird unsere subjektive Wahrnehmung beansprucht oder auch beeinflußt. Positiv wie negativ. Das Wort Ästhetik drückt dieses subjektive Empfinden über Schönheit und Harmonie am besten aus und führt zur Auseinandersetzung damit.

Ist nur Symmetrie harmonisch?
Oder entsteht Harmonie auch durch Vielfalt?
Und ist Vielfalt immer schön?
Jeder entscheidet das für sich selbst.

Belle Sophie möchte Gedanken zu diesem vielseitigen Thema, das sich durch alle Lebensbereiche zieht, mit anderen teilen, und keine absolute Meinung vermitteln. Hier soll zum Nachdenken und zur Auseinandersetzung, und manchmal zum Schmunzeln, angeregt werden. Bestenfalls ist sie ein Wegweiser für eine Gesellschaft, die vielleicht ein bisschen vergessen hat, auf sich selbst und den Umgang mit anderen Menschen zu achten!

Über Belle Sophie

Auf Belle Sophie geht es um Ästhetik.
Sie umgibt uns und begegnet uns jeden Tag in verschiedenster Form. Nicht immer ist das Empfinden für Ästhetik dasselbe. Meinungen gibt es unzählige. Auf Belle Sophie wird eine dieser Meinungen vermittelt.

Aus Liebe zum "ß", weil es einfacher schöner aussieht, taucht es in den Texten ab Oktober 2018 wieder auf. 


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Helena von Rehberg
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